Die Pflege in der Lausitz bekommt weitere akademisch qualifizierte Verstärkung: An der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) sind erneut Bachelorabschlüsse brasilianischer Pflegefachpersonen anerkannt worden. Die Absolventinnen und Absolventen erhielten jetzt in Cottbus ihre Abschlusszertifikate.
Für die MUL-CT ist das ein wichtiger Schritt, denn es geht nicht nur um einzelne Abschlüsse. Es geht um die Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Lausitz, um internationale Fachkräfte und um die Frage, wie Krankenhäuser in einer älter werdenden Gesellschaft genügend gut ausgebildetes Personal finden.
Pflege in der Lausitz braucht neue Wege
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Pflege wächst. Gleichzeitig werden die Aufgaben komplexer – Patientinnen und Patienten brauchen nicht nur Versorgung im Alltag, sondern immer häufiger spezialisierte Betreuung, Prävention, Beratung und wissenschaftlich fundierte Pflegekonzepte. Genau hier setzt das Modellprojekt der MUL-CT an. Internationale Pflegefachpersonen sollen nicht bei null anfangen müssen, wenn sie bereits in ihrem Heimatland studiert und Berufserfahrung gesammelt haben. Stattdessen werden ihre vorhandenen Qualifikationen geprüft, ergänzt und an die Anforderungen des deutschen Gesundheitssystems angepasst. Damit wird aus internationaler Erfahrung ein Gewinn für die Region.
Im Mittelpunkt stehen brasilianische Pflegefachpersonen, deren akademische Abschlüsse nun erfolgreich anerkannt wurden. Sie haben zuvor bereits die berufliche Anerkennung als Pflegefachfrau beziehungsweise Pflegefachmann nach den Vorgaben des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit Brandenburg erreicht. Zusätzlich absolvierten sie das Modul „Pflegewissenschaft und Forschung“ am Institut für Gesundheit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Damit wurde nicht nur ihre berufliche Qualifikation anerkannt. Auch der akademische Grad Bachelor of Science im Bereich Pflegewissenschaft wurde offiziell bestätigt.
MUL-CT entwickelt Modellprojekt mit starken Partnern
Entwickelt wurde das Programm vom Kompetenzzentrum Pflege der MUL-CT, der Akademie der MUL-CT, der BTU Cottbus-Senftenberg und dem LAVG Brandenburg. Das Ziel ist klar: Internationale Fachkräfte sollen gezielt unterstützt werden, damit sie ihre Kompetenzen in Deutschland einsetzen können. Dafür wurde ein eigener Anpassungslehrgang entwickelt. In diesem Lehrgang werden praktische, fachliche, wissenschaftliche und rechtliche Inhalte vermittelt. Die Teilnehmenden lernen also nicht nur, welche Standards in Deutschland gelten. Sie können auch ihre bisherige Ausbildung mit den Anforderungen der hiesigen Pflege verbinden.
Das Besondere an dem Projekt ist die individuelle Ausrichtung. Die brasilianischen Pflegefachpersonen bringen bereits Wissen, Erfahrung und akademische Abschlüsse mit. Das Programm baut darauf auf, statt diese Qualifikationen außen vor zu lassen. So entstehen faire Chancen für die Teilnehmenden. Gleichzeitig profitiert die Lausitz von gut ausgebildeten Menschen, die in der Gesundheitsversorgung dringend gebraucht werden. Pflegevorständin Andrea Stewig-Nitschke sieht darin eine wichtige Grundlage, um die künftigen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung in der Lausitz zu bewältigen. Denn es gehe nicht nur um mehr Bedarf an Versorgung, sondern auch um veränderte und anspruchsvollere Aufgaben in Prävention, Behandlung und Betreuung.
Feierliche Übergabe der Urkunden
Die Abschlusszertifikate wurden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem übergeben. Die Urkunden und die Anerkennung des akademischen Grades überreichten Pflegevorständin Andrea Stewig-Nitschke und der Vorstandsvorsitzende der MUL-CT, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel.
Für die Absolventinnen und Absolventen ist das ein wichtiger persönlicher Meilenstein. Für die MUL-CT ist es zugleich ein Signal: Internationale Zusammenarbeit kann ganz konkret dabei helfen, die Gesundheitsversorgung in der Region zu stärken. An der Uniklinik liegt der Anteil akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen in der Versorgung derzeit bei 8,7 Prozent, insgesamt sind das 88 Mitarbeitende.
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