Wie soll es mit dem Elbe-Elster Klinikum weitergehen? Bei einer Online-Umfrage der Bürgerinitiative „Klinikum EE in kommunaler Hand“ haben sich rund 79 Prozent der bisherigen Teilnehmer für eine vollständige Trägerschaft durch den Landkreis Elbe-Elster ausgesprochen. Die Ergebnisse liegen kurz vor einer wichtigen Kreistagssitzung vor.
Am Montag, 12. Oktober 2026, soll der Kreistag über eine europaweite Ausschreibung für einen fünfjährigen Managementvertrag zur Führung des Klinikums beraten. Die Gewerkschaft ver.di sieht diesen Vorschlag kritisch.
Elbe-Elster Klinikum: 362 Teilnehmer wollen vollständige kommunale Trägerschaft
Die Bürgerinitiative startete die digitale Befragung am 26. September 2026. Bis zum 8. Oktober beteiligten sich 461 Menschen, davon 430 mit Wohnsitz im Landkreis Elbe-Elster.
Bei der Frage nach der künftigen Trägerschaft ergab sich folgende Verteilung:
- 362 Teilnehmer (rund 79 Prozent) für eine vollständige Trägerschaft durch den Landkreis
- 62 Teilnehmer (rund 13 Prozent) für eine mehrheitliche kommunale Trägerschaft
- 11 Teilnehmer (rund 2 Prozent) für eine vollständig private Trägerschaft
- 13 Teilnehmer (rund 3 Prozent) für eine mehrheitlich private Trägerschaft
- 13 Teilnehmer (rund 3 Prozent) ohne Entscheidung
Damit bevorzugen 424 der 461 Befragten eine vollständige oder mehrheitliche Beteiligung des Landkreises.
Wichtig bei der Einordnung: Es handelt sich um eine freiwillige Online-Umfrage der Bürgerinitiative und nicht um eine repräsentative Befragung der Landkreisbevölkerung. Die Ergebnisse zeigen deshalb die Haltung der Teilnehmer, nicht die Meinung aller Einwohner von Elbe-Elster.
86 Prozent der Befragten für Kontrolle durch den Landkreis
Neben den Eigentumsverhältnissen ging es auch um die Frage, wer künftig die wesentlichen Entscheidungen im Klinikum treffen soll.
Hier sprachen sich 394 Teilnehmer, rund 86 Prozent, für eine Geschäftsführung unter Kontrolle des Landkreises aus.
37 Teilnehmer bevorzugten eine gemeinsame Kontrolle durch den Landkreis und ein privates Krankenhausunternehmen. 18 wollten die Kontrolle einem privaten Betreiber überlassen, elf waren unentschlossen.
Die Umfrage läuft noch bis zum 10. Oktober 2026. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind daher vorläufig.
Kreistag berät am 12. Oktober über Managementvertrag
Bereits am Montag könnte eine wichtige Entscheidung für die weitere Führung des Klinikums fallen.
Auf der Tagesordnung der öffentlichen Kreistagssitzung steht die mögliche europaweite Ausschreibung eines Managementvertrags über fünf Jahre.
Dabei geht es um die künftige Organisation der Geschäftsführung des kreiseigenen Krankenhauses.
Die Gewerkschaft ver.di warnt vor möglichen Interessenkonflikten, falls ein privates Krankenhausunternehmen den Zuschlag erhält, das zugleich eigene wirtschaftliche Interessen in der Region verfolgt.
Als Beispiel nennt die Gewerkschaft die Sana Kliniken AG, die bereits an kommunalen Kliniken in Südbrandenburg beteiligt ist.
Dabei ist zu unterscheiden: Ein Managementvertrag mit einem privaten Unternehmen bedeutet nicht automatisch, dass das Klinikum verkauft oder seine kommunale Trägerschaft aufgegeben wird. Die Befragung behandelt deshalb zwei unterschiedliche Fragen: die Eigentumsverhältnisse und die Kontrolle über die Geschäftsführung.
Drei Krankenhausstandorte sollen zusammengelegt werden
Hinter der Diskussion steht auch die geplante Neuordnung der Krankenhausversorgung im Landkreis Elbe-Elster.
Die kreiseigene Elbe-Elster Klinikum GmbH betreibt Krankenhäuser in Finsterwalde, Elsterwerda und Herzberg (Elster).
Nach den von ver.di mitgeteilten Angaben verfügt das Klinikum über 454 Planbetten und beschäftigt rund 770 Menschen. Einschließlich zweier Tochtergesellschaften sind es etwa 1.000 Beschäftigte.
Für den Landkreis mit rund 97.000 Einwohnern ist eine Zusammenlegung der bisherigen Standorte an einem zentralen Standort vorgesehen.
Der Kreistag hat diese Zentralisierung bereits beschlossen. Für einen möglichen Krankenhausneubau wurden nach Gewerkschaftsangaben 300 Millionen Euro Förderung in Aussicht gestellt.
Diskussion um bisherige Geschäftsführung
Auch die jüngsten Entscheidungen zur Leitung des Klinikums spielen in der Auseinandersetzung eine Rolle.
Nach Darstellung von ver.di wurde der bisherige Geschäftsführer am 6. August 2026 abberufen. Anschließend sei zunächst ein auf zwei Monate befristeter Managementvertrag mit der Sana Kliniken AG abgeschlossen worden.
Dieser Vertrag wurde den Gewerkschaftsangaben zufolge inzwischen durch den Kreistag um drei Monate verlängert.
ver.di kritisiert insbesondere die Rolle des Aufsichtsrates bei den ursprünglichen Entscheidungen. Eine Stellungnahme des Landkreises zu diesen Vorwürfen liegt in den bereitgestellten Informationen nicht vor.
Die Bürgerinitiative hat dem Büro des Landrates bereits am 7. Oktober erste Rückmeldungen aus ihrer Umfrage übergeben.
Abstimmung läuft noch bis Samstag
Bis einschließlich 10. Oktober 2026 können Interessierte noch an der Online-Befragung zur Zukunft des Elbe-Elster Klinikums teilnehmen.
Die Teilnahme ist unter tally.so/r/EkpZZ4 möglich.
Die entscheidende politische Beratung folgt am 12. Oktober im Kreistag.
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