Eine Ausgründung aus dem Forschungsumfeld der BTU Cottbus-Senftenberg hat den Brandenburger Innovationspreis 2026 gewonnen. Die quantum grade materials GmbH aus Cottbus wurde für ein patentiertes Verfahren zur Herstellung hochreiner Silizium-Isotope für Quantencomputer in der Kategorie „NEUES.SCHAFFEN“ ausgezeichnet. Die Grundlage dafür wurde unter anderem im Forschungsprojekt „HoCHQuant“ an der BTU weiterentwickelt.
Im Mittelpunkt steht Silizium-28. Das Material spielt bei bestimmten Quantencomputern eine wichtige Rolle, ist in der benötigten Reinheit bislang aber kaum verfügbar. Genau diese Lücke will das junge Unternehmen schließen.
Brandenburger Innovationspreis 2026 für Cottbuser Unternehmen
Die quantum grade materials GmbH erhielt den Preis bei der Verleihung im fx.center in Potsdam-Babelsberg. Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement überreichte die Auszeichnung.
Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem hochreines Silizium-28 aus einem am Markt verfügbaren Ausgangsstoff gewonnen werden kann. Das Verfahren ist nach Angaben der BTU skalierbar und kommt ohne toxische Abfälle aus.
Warum Silizium-28 für Quantencomputer interessant ist
Quantencomputer arbeiten mit sogenannten Qubits. Diese reagieren empfindlich auf Störungen aus ihrer Umgebung.
Natürlich vorkommendes Silizium besteht aus unterschiedlichen Isotopen. Silizium-29 besitzt einen Kernspin, der Quantenprozesse beeinflussen kann. Hochreines Silizium-28 bietet dagegen eine störungsärmere Umgebung und ist deshalb für bestimmte Quantenchips interessant. Die BTU forscht bereits seit mehreren Jahren an der Herstellung entsprechender Materialien.
Die Verfügbarkeit ist bislang ein Problem. Isotopenreine Halbleitermaterialien in der benötigten Qualität sind laut BTU auf dem Weltmarkt praktisch nicht verfügbar.
Forschung an der BTU brachte Verfahren Richtung Marktreife
Eine wichtige Grundlage für die Ausgründung war das Forschungsprojekt „HoCHQuant“ am Fachgebiet Physikalische Chemie unter Leitung von Prof. Dr. Jörg Acker.
Das vierköpfige Projektteam um Dr. Owen C. Ernst arbeitete ab Juni 2024 am BTU-Campus Senftenberg und am Dock3 Lausitz im Industriepark Schwarze Pumpe daran, die Herstellung isotopenreiner Halbleitermaterialien zu skalieren und für eine wirtschaftliche Nutzung vorzubereiten.
Gefördert wurde die Arbeit über den EXIST-Forschungstransfer mit mehr als 900.000 Euro. Die BTU stellte dabei unter anderem die notwendige chemische und sicherheitstechnische Infrastruktur zur Verfügung.
Die ursprüngliche Idee entstand in Berlin
Die Geschichte des Unternehmens begann allerdings nicht erst an der BTU. Dr. Owen C. Ernst und Dr. David Uebel arbeiteten zuvor am Leibniz-Institut für Kristallzüchtung in Berlin an Strukturen für Quantencomputer.
Dabei stießen sie auf das Problem der mangelnden Verfügbarkeit von hochreinem Silizium-28. Ab 2024 entwickelten sie ihr Vorhaben an der BTU weiter. Zum Projektteam gehörten außerdem Anne Handschick-Ernst und Roman Brendler.
Am 2. Februar 2026 gründeten Owen Ernst, Anne Handschick-Ernst und David Uebel schließlich die quantum grade materials GmbH. Bereits 2023 hatte das Team mit seinem Konzept den Lausitzer Existenzgründerpreis gewonnen.
Aus Lausitzer Forschung wird ein Unternehmen
Mit dem Verfahren will das Unternehmen hochreines Silizium-28 künftig industriell verfügbar machen. Mittelfristig strebt quantum grade materials nach Angaben der BTU an, einen großen Teil des europäischen Marktes für diese Materialien abzudecken.
Der Brandenburger Innovationspreis 2026 zeigt damit einen direkten Weg von Forschung und Entwicklung in der Lausitz hin zu einer Unternehmensgründung in Cottbus.
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