Immer mehr Jugendliche in Brandenburg greifen zu Vapes und E-Zigaretten. Der Anteil der Zehntklässler, die solche Produkte täglich konsumieren, ist innerhalb von vier Jahren von 1,2 auf 13,1 Prozent gestiegen. Auch beim Rauchen und regelmäßigen Alkoholkonsum zeigen die Zahlen wieder nach oben. Das geht aus der aktuellen Studie „Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum“ hervor, die das Gesundheitsministerium am 1. Oktober veröffentlicht hat.
Für die Untersuchung wurden landesweit rund 1.700 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen befragt. Neben Alkohol, Nikotin und anderen Drogen ging es auch um soziale Medien, Online-Glücksspiel und Cybermobbing.
Jugendliche in Brandenburg: Vapes werden immer beliebter
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei E-Zigaretten, E-Shishas und Vaporizern. Während bei der vorherigen Befragung im Schuljahr 2020/2021 noch 1,2 Prozent der Jugendlichen angaben, solche Produkte täglich zu nutzen, sind es inzwischen 13,1 Prozent.
Damit hat sich der Anteil mehr als verzehnfacht. Rund jeder fünfte Jugendliche nutzt die Produkte mindestens einmal pro Woche. Etwa die Hälfte hat sie zumindest einmal ausprobiert.
Auch der klassische Tabakkonsum nimmt wieder zu. Der Anteil der täglich rauchenden Jugendlichen stieg von 9,9 auf 11,2 Prozent. Jungen rauchen häufiger täglich Tabak, während Mädchen öfter regelmäßig zu Vapes greifen.
Wieder mehr Jugendliche trinken regelmäßig Alkohol
Beim Alkoholkonsum zeigt sich ebenfalls ein leichter Anstieg. 12,8 Prozent der befragten Jugendlichen trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. Bei der vorherigen Erhebung waren es zwölf Prozent.
Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Unter den Jungen trinken 16,9 Prozent mindestens wöchentlich Alkohol, unter den Mädchen sind es 8,2 Prozent.
Der Anteil der Jugendlichen, die gelegentlich Alkohol trinken, stieg von 52,1 auf 55,2 Prozent.
Eine positive Entwicklung gibt es dagegen beim besonders riskanten Rauschtrinken. Der Anteil der Jugendlichen, die mindestens dreimal im Monat bei einer Gelegenheit mehr als fünf alkoholische Getränke konsumieren, ist langfristig von 30,8 Prozent im Schuljahr 2004/2005 auf 13,7 Prozent gesunken.
Cannabis leicht rückläufig, Lachgas bereits verbreitet
Beim regelmäßigen Cannabiskonsum verzeichnet die Studie einen leichten Rückgang. 3,3 Prozent der Jugendlichen konsumieren mindestens einmal pro Woche Cannabis. Vier Jahre zuvor waren es 3,9 Prozent.
85,7 Prozent haben nach eigenen Angaben noch nie Cannabis konsumiert oder es lediglich einmal ausprobiert.
Bei anderen Substanzen fällt vor allem Lachgas auf. 8,6 Prozent der Befragten haben es bereits mindestens einmal konsumiert.
Als häufige Gründe für den Konsum von Alkohol und anderen Substanzen nannten die Jugendlichen Partys, gemeinsame Erlebnisse mit Freunden, Entspannung und den Wunsch, Stress oder negative Gefühle zu verringern. Die Beschaffung erfolgt überwiegend über Freunde, Bekannte und Veranstaltungen.
Jeder Zweite verbringt mehr als zwei Stunden täglich in sozialen Medien
Auch der digitale Alltag war Teil der Befragung. 50,3 Prozent der Jugendlichen verbringen täglich mehr als zwei Stunden in sozialen Medien.
Bei 5,6 Prozent der Jungen und 10,1 Prozent der Mädchen liegt die tägliche Social-Media-Nutzung sogar bei mehr als sechs Stunden.
Mehr als zwei Stunden täglich verbringen außerdem 34,4 Prozent mit Filmen und Serien sowie 34,7 Prozent mit Computerspielen oder Spielen auf dem Smartphone.
Gleichzeitig nehmen die Erfahrungen mit Cybermobbing zu. Während im Schuljahr 2016/2017 sieben Prozent der Befragten angaben, bereits betroffen gewesen zu sein, sind es inzwischen 13,8 Prozent.
Online-Glücksspiel hat sich mehr als verdoppelt
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist das Glücksspiel im Internet. 19,9 Prozent der Jugendlichen haben bereits Erfahrungen mit Online-Glücksspielen gemacht. Bei der vorherigen Befragung waren es noch 8,8 Prozent.
Spiele mit glücksspielähnlichen Inhalten haben 21,6 Prozent schon einmal ausprobiert. 5,9 Prozent nutzen solche Angebote mindestens wöchentlich.
Auch nach ihrer allgemeinen Lebenszufriedenheit wurden die Jugendlichen gefragt. Insgesamt bezeichneten sich 60,3 Prozent als zufrieden oder ganz und gar zufrieden. Bei den Jungen lag dieser Anteil bei 68,4 Prozent, bei den Mädchen bei 53 Prozent.
Brandenburg will Suchtprävention stärken
Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke bezeichnet die Ergebnisse als Warnsignal. Besonders der starke Anstieg bei Vapes und E-Zigaretten bereitet ihm Sorgen. Er verweist auf mögliche gesundheitliche Schäden durch Nikotin und weitere Inhaltsstoffe sowie auf bislang unzureichend erforschte Langzeitfolgen.
Auch die Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen sieht Handlungsbedarf. Ihre Geschäftsführerin Andrea Hardeling fordert einen besseren Schutz junger Menschen und verlässliche Präventionsangebote.
Die Studie wird seit dem Schuljahr 2004/2005 regelmäßig durchgeführt. Die aktuelle sechste Erhebung bezieht sich auf das Schuljahr 2024/2025 und soll als Grundlage für weitere Präventionsmaßnahmen dienen.
Unterstützung bei Suchtproblemen bieten die regionalen Suchtberatungsstellen und die Onlineberatung unter suchtberatung.digital.
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