Eine Herzstudie der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) sorgt für internationale Aufmerksamkeit. Oberärztin Dr. Jelena Zickwolf wurde bei den DGK Herztagen 2026 in Hamburg mit dem Sven-Effert-Posterpreis ausgezeichnet. Die Forschung aus Cottbus zeigt, dass sich ein bestimmter Eingriff am Herzen auch ohne zusätzlichen Ultraschall über die Speiseröhre mit vergleichbar guten Ergebnissen durchführen lässt.
Das könnte die Behandlung für ausgewählte Patientinnen und Patienten vereinfachen und deutlich verkürzen. Bereits am 3. November 2026 werden die Ergebnisse beim internationalen TCT-Kongress in San Diego vorgestellt.
Herzforschung aus Cottbus ausgezeichnet: Worum geht es in der Studie?
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das sogenannte persistierende Foramen ovale (PFO).
Dabei handelt es sich um eine kleine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen, die sich nach der Geburt nicht vollständig geschlossen hat.
Ein solches PFO kann unter bestimmten Umständen mit einem Schlaganfall in Verbindung stehen.
Wenn ein medizinischer Verschluss notwendig ist, kann die Öffnung mithilfe eines dünnen Katheters und eines kleinen Implantats verschlossen werden.
Bei diesem Eingriff nutzen viele Kliniken zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung über die Speiseröhre. Diese ermöglicht eine Kontrolle der Behandlung, erfordert aber eine zusätzliche Kurznarkose und entsprechenden Personalaufwand.
Die Cottbuser Forschenden wollten deshalb herausfinden, ob der Eingriff auch ohne diese zusätzliche Untersuchung zuverlässig möglich ist.
180 Patienten an der MUL-CT untersucht
Die Arbeitsgruppe Interventionelle Kardiologie unter Leitung von Prof. Dr. med. Wolfgang Bocksch wertete die Behandlungsdaten von 180 Patientinnen und Patienten aus.
Verglichen wurden zwei Vorgehensweisen.
Bei den Eingriffen zwischen 2005 und 2021 wurde der PFO-Verschluss durch einen zusätzlichen Ultraschall über die Speiseröhre begleitet.
Bei den Behandlungen zwischen 2021 und 2026 erfolgte die Kontrolle dagegen ausschließlich mithilfe von Röntgenaufnahmen und Kontrastmittel.
Die gesamte Studie wurde an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus durchgeführt.
Ohne zusätzlichen Ultraschall deutlich kürzere Eingriffe
Die Ergebnisse zeigen bei beiden Verfahren eine ähnlich hohe Erfolgsquote.
| Ergebnis | Mit zusätzlichem Ultraschall | Ohne zusätzlichen Ultraschall |
|---|---|---|
| Erfolgreicher Eingriff | 98 % | 99 % |
| Vollständiger Verschluss nach sechs Monaten | 92,8 % | 95,0 % |
| Durchschnittliche Eingriffsdauer | 43,5 Minuten | 26 Minuten |
| Kontrastmittelmenge | 20 ml | 100 ml |
| Dosisflächenprodukt | 746 cGy·cm² | 1.354 cGy·cm² |
Besonders auffällig ist die Zeitersparnis von durchschnittlich 17,5 Minuten.
Ohne die zusätzliche Ultraschalluntersuchung dauerte der Eingriff im Mittel nur 26 Minuten statt 43,5 Minuten.
Auch die Ergebnisse nach sechs Monaten waren in beiden Gruppen vergleichbar.
Kürzerer Eingriff bedeutet nicht automatisch weniger Belastung
Die Untersuchung zeigt allerdings auch Nachteile des Verfahrens ohne zusätzlichen Ultraschall.
So benötigten die Ärztinnen und Ärzte dabei mehr Kontrastmittel.
Außerdem war die gemessene Strahlenbelastung höher als bei den Eingriffen mit zusätzlicher Ultraschallkontrolle.
Prof. Wolfgang Bocksch betont deshalb, dass die Entscheidung für das jeweilige Verfahren individuell getroffen werden müsse.
Der Verzicht auf den Ultraschall über die Speiseröhre kann eine Kurznarkose vermeiden und den Eingriff beschleunigen. Gleichzeitig müssen die zusätzliche Röntgenbelastung und die größere Kontrastmittelmenge berücksichtigt werden.
Die Studie liefert damit keine pauschale Empfehlung, bei allen Patienten auf Ultraschall zu verzichten.
Sven-Effert-Posterpreis für Cottbuser Oberärztin
Für ihre wissenschaftliche Arbeit erhielt Dr. Jelena Zickwolf bei den DGK Herztagen 2026 in Hamburg den Sven-Effert-Posterpreis.
Die Auszeichnung würdigt die Forschung der Cottbuser Arbeitsgruppe zur interventionellen Behandlung von Herzpatienten.
Die Ergebnisse sollen nun auch einem internationalen Fachpublikum vorgestellt werden.
Am 3. November 2026 präsentiert Zickwolf die Studie beim Kongress Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) in San Diego in den USA.
Der Kongress zählt zu den bedeutenden internationalen Veranstaltungen für kathetergestützte Herz-Kreislauf-Behandlungen.
Medizinische Universität Lausitz stärkt Forschungsstandort Cottbus
Auch Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstandsvorsitzender der MUL-CT, sieht in der Auszeichnung einen wichtigen Erfolg für den Medizinstandort Cottbus.
Besonders hebt er hervor, dass die Untersuchung vollständig an der Cottbuser Universitätsmedizin durchgeführt wurde und nun international vorgestellt wird.
Die Forschung zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Lausitz dazu beitragen können, medizinische Behandlungsverfahren weiterzuentwickeln.
Für Patientinnen und Patienten könnte das langfristig bedeuten, dass bestimmte Herzkathetereingriffe noch gezielter an ihre individuellen Voraussetzungen angepasst werden.
Welche Methode im Einzelfall geeignet ist, bleibt eine medizinische Entscheidung.
Was heute in der Lausitz sonst noch wichtig ist, lest ihr in unserem Tages-Liveticker auf radiocottbus.de.
Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du radiocottbus.de als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge radiocottbus.de hier als bevorzugte Quelle hinzu.
























