Studie: Brandenburg bildet immer weniger Grundwasser neu

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In Brandenburg kommt seit Jahrzehnten immer weniger Grundwasser nach. Forscher der Universität Potsdam haben fünf weitgehend unbeeinflusste Flussgebiete untersucht und einen deutlichen langfristigen Rückgang festgestellt. Seit 1980 sank der Abfluss dort insgesamt um rund 40 Prozent. Besonders relevant für unsere Region: Auch die Obere Dahme im Landkreis Dahme-Spreewald gehört zu den untersuchten Gebieten.

Flüsse zeigen den Rückgang des Grundwassers

Die Hydrologen Till Francke und Maik Heistermann vom Institut für Umweltwissenschaften und Geographie der Universität Potsdam untersuchten die Entwicklung zwischen 1980 und 2023. Dafür betrachteten sie fünf Gebiete: Ucker und Welse, Stepenitz und Löcknitz, Plane, Buckau und Temnitz, die Nuthe sowie die Obere Dahme. Die Forscher wählten gezielt Regionen aus, in denen direkte menschliche Eingriffe in den Wasserhaushalt vergleichsweise gering ausfallen. Brandenburgs Flüsse beziehen einen großen Teil ihres Wassers aus dem Grundwasser. Sinkt der Abfluss langfristig, deutet das deshalb auch auf eine geringere Grundwasserneubildung hin. Gleichzeitig zeigen Messstellen in den Neubildungsgebieten langfristig sinkende Grundwasserstände.

Wärme und Sonne lassen mehr Wasser verdunsten

Die Forscher sehen vor allem den Klimawandel und Veränderungen der Vegetation als wichtige Ursachen. Seit 1980 stiegen die Lufttemperaturen und die Sonneneinstrahlung. Gleichzeitig nahm die Blattfläche der Pflanzen zu. Dadurch verdunstet mehr Wasser über Böden und Pflanzen, bevor es tiefer in den Boden gelangen und neues Grundwasser bilden kann. Um diese Zusammenhänge zu untersuchen, simulierten die Wissenschaftler die Wasserentwicklung mit insgesamt 262 Modellrechnungen. Dabei verglichen sie unterschiedliche Niederschlagsdaten und Entwicklungen der Vegetation.

Niederschlag bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Beim Regen fanden die Forscher dagegen keinen eindeutigen langfristigen Trend. Genau das erschwert Vorhersagen. Brandenburg zählt ohnehin zu den trockensten Bundesländern Deutschlands. Im langjährigen Mittel fallen vielerorts nur etwa 500 bis 700 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Schon kleinere Veränderungen beim Regen können deshalb große Auswirkungen darauf haben, wie viel Wasser tatsächlich im Boden ankommt. Besonders empfindlich reagieren Gebiete mit oberflächennahem Grundwasser. Flächen, auf denen der Grundwasserspiegel höchstens drei Meter tief liegt, tragen laut Studie in allen fünf untersuchten Regionen mindestens 70 Prozent zum berechneten Rückgang der Grundwasserneubildung bei.

Eine stärkere landwirtschaftliche Bewässerung sehen die Forscher nicht als entscheidenden Grund für die langfristige Entwicklung. Nach der Wiedervereinigung sank die bewässerte Fläche in Brandenburg stark. 1989 lag sie noch bei rund 1.206 Quadratkilometern, 1990 nur noch bei etwa 200 Quadratkilometern. Im Jahr 2022 erreichte sie 309 Quadratkilometer. Auf ganz Brandenburg gerechnet entspricht die dafür verwendete Wassermenge laut Studie ungefähr einem Millimeter pro Jahr. Damit kann die Bewässerung den beobachteten Rückgang der vergangenen Jahrzehnte nicht erklären.

Auch die Obere Dahme verliert Wasser

Für Südbrandenburg fällt besonders der Blick auf die Obere Dahme interessant aus. Am Pegel Märkisch-Buchholz zeigt die Studie für den Zeitraum von 1980 bis 2023 ebenfalls einen deutlichen negativen Trend. Auch 2026 machte sich Wassermangel in der Region bemerkbar. Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband stellte seine Trinkwasserampel im Juni auf Rot und rief die Menschen in Teilen von Dahme-Spreewald und Oder-Spree zum Wassersparen auf. Im August untersagte der Landkreis Oberspreewald-Lausitz außerdem Wasserentnahmen aus oberirdischen Gewässern im Teileinzugsgebiet der Mittleren Spree.

Eine schnelle Entspannung erwarten die Wissenschaftler nicht. Mehr Niederschlag im Winter könnte die Grundwasserspeicher künftig zwar stärker auffüllen. Die Klimamodelle liefern beim zukünftigen Regen allerdings deutlich unsicherere Ergebnisse als bei der Temperaturentwicklung. Deshalb empfehlen Francke und Heistermann der Wasserwirtschaft, sich auf eine weiter sinkende Grundwasserneubildung einzustellen. Die Forscher veröffentlichten ihre Untersuchung unter dem Titel „Groundwater recharge in Brandenburg is declining – but why?“ in der Fachzeitschrift Natural Hazards and Earth System Sciences. Für Brandenburg bedeutet das langfristig: Haushalte, Landwirtschaft, Industrie und Natur müssen möglicherweise mit weniger verfügbarem Wasser auskommen und stärker miteinander um die Ressource konkurrieren.

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Autor: Redaktion

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