Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem und die AOK Nordost wollen Gesundheitsdaten künftig gemeinsam für die Forschung nutzen. Eine neue Rahmenvereinbarung soll dabei helfen, Versorgungslücken früher zu erkennen, Behandlungen auszuwerten und medizinische Angebote gezielter weiterzuentwickeln.
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Routinedaten der gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu zählen beispielsweise Diagnosen, verordnete Medikamente und durchgeführte Behandlungen.
Daten sollen Versorgungslücken sichtbar machen
MUL-CT und AOK Nordost wollen mit den Daten untersuchen, wie Patientinnen und Patienten medizinische Versorgung nutzen und wo Verbesserungen notwendig sind. Die Forschung soll unter anderem zeigen, wo Menschen besondere Versorgungsbedarfe haben, welche Behandlungen gute Ergebnisse erzielen und wo Versorgungslücken bestehen. Davon sollen vor allem Menschen in der Lausitz, aber auch darüber hinaus profitieren. Die Partner wollen bei der Verarbeitung der Daten die geltenden Datenschutzbestimmungen einhalten.
Forschung soll direkt in die Versorgung einfließen
Die Zusammenarbeit verbindet die wissenschaftliche Arbeit der MUL-CT mit Daten und Fragestellungen aus dem Alltag der Gesundheitsversorgung. MUL-CT-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel sieht in der Vereinbarung einen wichtigen Schritt für die gemeinsame Gesundheitssystemforschung. Universität und Krankenkasse arbeiten bereits seit dem Aufbau der Universitätsmedizin unter anderem in der Modellregion Gesundheit Lausitz zusammen.
Auch Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Gründungsvorständin Wissenschaft der MUL-CT, betont den praktischen Nutzen. Die Forschung soll Erkenntnisse liefern, die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen und pflegerischen Versorgung verbessern.
AOK will Beitragsgelder gezielter einsetzen
Auch für die AOK Nordost spielt die Frage eine Rolle, welche medizinischen Leistungen Patientinnen und Patienten tatsächlich benötigen. Vorstandsvorsitzende Daniela Teichert will mithilfe der Routinedaten Versorgungsbedarfe besser erkennen und Angebote gezielter weiterentwickeln. Gleichzeitig soll die Forschung dabei helfen, Beitragsgelder effizienter einzusetzen. Die AOK Nordost zählt rund 1,6 Millionen Versicherte in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Gemeinsame Forschungsprojekte und Nachwuchsförderung geplant
Die Rahmenvereinbarung bildet zunächst die Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit. MUL-CT und AOK Nordost planen gemeinsame Forschungsprojekte, Wissenstransfer und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ein gemeinsames Steuerungsgremium koordiniert die Zusammenarbeit.
Für einzelne Forschungsvorhaben wollen beide Partner künftig jeweils gesonderte Vereinbarungen abschließen.
Gesundheitssystemforschung gehört zu den Schwerpunkten der MUL-CT
Die MUL-CT setzt in ihrer Forschung besonders auf die Bereiche Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Universität will dabei neue Versorgungsmodelle entwickeln und insbesondere die medizinische Versorgung im ländlichen Raum weiter verbessern. Die Modellregion Gesundheit Lausitz spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem startete 2024 als erste staatliche Universitätsmedizin Brandenburgs. Im Wintersemester 2026/2027 haben dort die ersten 38 Studierenden im Modellstudiengang Humanmedizin ihr Studium aufgenommen.
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