Die Musen im Staatstheater Cottbus erstrahlen wieder in ihrem alten Glanz: Die beschädigten Skulpturen im großen Kuppelfoyer wurden restauriert und heute feierlich enthüllt. Damit ist ein Projekt abgeschlossen, das im Haus schon lange als Herzensangelegenheit galt.
Wer im Staatstheater Cottbus unterwegs ist, kennt sie: die Figuren im Kuppelfoyer, auf die das Licht der großen Kuppel fällt. Seit 1911 stehen dort die neun Musen, die in der griechischen Mythologie als Schutzgöttinnen der Künste und Wissenschaften gelten. Daneben befindet sich auch die Venusstatue.
Doch viele Jahre war der Anblick nicht nur schön, sondern auch schmerzhaft. Mehreren Figuren fehlten Hände, Finger oder sogar ganze Arme.
Musen im Staatstheater Cottbus wieder in altem Glanz
Die Schäden stammen laut Staatstheater vor allem aus der Zeit des Krieges und der Nachkriegsjahre. 1945 war das Theater als Munitionslager genutzt worden. Seitdem waren sieben der Figuren sichtbar beschädigt.
Viele Besucherinnen und Besucher hatten sich über die Jahre an diesen Anblick gewöhnt. Doch bei genauerem Hinsehen war deutlich zu erkennen, wie stark die Skulpturen gelitten hatten. Ausgerechnet die Musen, die für Kunst, Schönheit und Wissenschaft stehen, waren über Jahrzehnte eine Art stumme Erinnerung an Zerstörung und Verlust.
Warum die Restaurierung so lange dauerte
Im und am Staatstheater wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gearbeitet. Vieles an der Außenhülle wurde restauriert, im Inneren ging es häufig um Sicherheit und Technik. Die Musen blieben dabei lange außen vor.
Der Grund: Für solche Arbeiten braucht es Geld, Genehmigungen und eine enge Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Und während sicherheitsrelevante Maßnahmen oft Vorrang haben, war die Restaurierung der Figuren vor allem eine Frage von Schönheit, Kultur und Respekt vor der Geschichte.
Für Matthias Günther, den Technischen Direktor des Staatstheaters, wurde genau das zu einem Herzensprojekt. Vor seinem bevorstehenden Ruhestand hat er sich noch einmal besonders dafür eingesetzt, dass die Musen endlich wieder so aussehen, wie sie ursprünglich gedacht waren.
Frank Schauseil restaurierte die Figuren
Übernommen hat die Restaurierung der Dresdner Bildhauer Frank Schauseil. Er arbeitete an der Venusstatue und an sechs Musen. Die Restaurierung lief in enger Abstimmung mit der Unteren und der Oberen Denkmalschutzbehörde.
Besonders wichtig war, die fehlenden Teile so originalgetreu wie möglich zu ergänzen. Das war komplizierter, als es zunächst klingt. Zwar steht heute wieder Carrara-Marmor zur Verfügung, doch die genaue Form der Hände, Finger und Arme ließ sich nicht einfach von antiken Vorbildern übernehmen.
Denn die Cottbuser Figuren sind nicht identisch mit klassischen Originalen. Sie tragen auch den Stil ihrer Entstehungszeit in sich, darunter Einflüsse des Jugendstils. Gesichtszüge, Körperhaltung und Fingerstellungen mussten deshalb genau zu den Figuren im Staatstheater passen.
Historische Fotos halfen bei der Rekonstruktion
Damit die Ergänzungen möglichst nah am ursprünglichen Zustand liegen, wurden historische Aufnahmen aus dem Cottbuser Theater genutzt. Diese Bilder halfen dabei, die fehlenden Gliedmaßen und Details korrekt nachzubilden. Ein besonders schwieriger Fall war die Muse Urania. Sie hatte im Krieg besonders stark gelitten und musste aufwendig rekonstruiert werden.
Finanziert wurde das Projekt mit 40.000 Euro aus dem Haushalt der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt. Für das Staatstheater ist damit ein Stück Kulturgeschichte sichtbar zurückgekehrt.
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