Für die rund 80.000 Beschäftigten im Brandenburger Einzelhandel hat die erste Tarifverhandlungsrunde am 1. Juni 2026 keine Annäherung gebracht. Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot stößt bei ver.di auf massive Kritik. Die Gewerkschaft bewertet die Vorschläge als unzureichend und wirft den Unternehmen mangelnde Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten vor.
Tarifverhandlungen im Einzelhandel: Monate ohne Lohnerhöhung
Nach Angaben von ver.di sollen die Beschäftigten im Jahr 2026 zunächst sechs Monate lang ohne Lohnerhöhung auskommen. Danach ist eine Entgeltsteigerung von lediglich 2,0 Prozent vorgesehen. Für eine Verkäuferin in Vollzeit nach dem siebten Berufsjahr würde das nur rund 63 Euro brutto mehr pro Monat bedeuten.
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft den Zeitpunkt der Erhöhung: Während die Anpassung in Berlin bereits Ende 2026 greifen würde, müssten Beschäftigte in Brandenburg sogar bis 2027 auf mehr Geld warten.
Zweite Erhöhung erst 2027 geplant
Eine weitere Entgeltsteigerung von 1,5 Prozent soll laut Arbeitgeberangebot erst nach drei weiteren Nullmonaten erfolgen. Für Beschäftigte würde das lediglich rund 49 Euro brutto mehr im Monat bedeuten. In Brandenburg wäre diese Anpassung erst ab Oktober 2027 wirksam.
Ver.di spricht deshalb von einem Angebot, das weder die wirtschaftliche Leistung der Beschäftigten noch die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausreichend berücksichtige.
Hohe Umsätze, niedrige Einkommen
Der Einzelhandel erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 823 Milliarden Euro und Gewinne von etwa 25 Milliarden Euro. Gleichzeitig verdienen ausgebildete Verkäuferinnen und Verkäufer nach sieben Berufsjahren in Vollzeit in Brandenburg 3.172 Euro brutto im Monat.
Hinzu kommt, dass nach Gewerkschaftsangaben rund 65 Prozent der Beschäftigten in Brandenburg in Teilzeit arbeiten. Häufig handelt es sich dabei um Frauen, deren Einkommen oftmals nicht ausreicht und die auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind.
Sorge vor Altersarmut wächst
Die Auswirkungen der niedrigen Einkommen reichen nach Angaben von ver.di bis in den Ruhestand. Demnach erreichen rund 70 Prozent der Beschäftigten im Handel später nicht einmal eine Bruttomonatsrente von 1.400 Euro.
Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaft einen deutlich höheren Anteil der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg der Branche.
Streiks in Brandenburg möglich
Während die Friedenspflicht in Berlin bereits ausgelaufen ist, endet sie in Brandenburg am 30. Juni 2026. Nach dem Verlauf der ersten Verhandlungsrunde bereitet ver.di auch in Brandenburg Arbeitskampfmaßnahmen nach Ablauf der Friedenspflicht vor.
Der nächste Verhandlungstermin ist für den 23. Juni 2026 angesetzt.
Diese Forderungen stellt ver.di
Für die Tarifrunde 2026 fordert die Gewerkschaft:
- 7 Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 222 Euro pro Monat
- Ein tarifliches Mindestentgelt von 14,90 Euro pro Stunde in den unteren Entgeltgruppen
- 150 Euro mehr Ausbildungsvergütung pro Monat
- Eine Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten
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