Die Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße zieht sich mit allen Innungen von der 35. Handwerkermesse zurück. Wenn sich am 24. und 25. Januar 2026 die Türen der Messehallen öffnen, wird ein zentraler Bestandteil der Traditionsveranstaltung fehlen. Die Entscheidung trifft die Messe hart – und ist das Ergebnis klarer wirtschaftlicher Realitäten im regionalen Handwerk.
12 Innungen sagen geschlossen ab
Die Kreishandwerkerschaft Cottbus/Spree-Neiße wird mit ihren 12 Innungen nicht mehr auf der Handwerkermesse vertreten sein. Grundlage dafür ist ein eindeutiges Votum der Mitgliedsbetriebe: Die Handwerkermesse ist nicht mehr unsere Präsentationsplattform.
Eine Messe mit Geschichte – und Herzblut
Besonders emotional ist der Schritt für Geschäftsführerin Yvonne Zenke. Sie hatte die Messe einst selbst mit aufgebaut – damals als Projektleiterin bei der Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH. Über Jahre entwickelte sich die Handwerkermesse zur größten ihrer Art in Brandenburg, getragen vom Zusammenspiel aus Ausrichtern, Partnern und Innungsbetrieben.
Auch die Sparkasse Spree-Neiße gehörte zu den prägenden Kräften der Anfangsjahre.
Aufwand, Kosten und fehlender Nutzen
Der zentrale Grund für die Absage ist nüchtern: Der wirtschaftliche Nutzen stimmt für viele Betriebe nicht mehr.
Nach Aussagen der Kreishandwerkerschaft entstehen durch Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit rund 14 Arbeitstage pro Betrieb. Gleichzeitig seien kaum noch Aufträge aus Messekontakten entstanden.
Hinzu kommen deutlich gestiegene Kosten für Personal, Standflächen und Dienstleistungen – bei gleichzeitigem Personalmangel in den Betrieben.
Gespräche geführt – Spielräume zu klein
Nach der Handwerkermesse 2025 suchte die Kreishandwerkerschaft intensiv den Dialog: mit der Stadt Cottbus, mit dem Veranstalter und mit der Handwerkskammer Cottbus.
Zwar gab es kleinere Zugeständnisse bei Standgebühren, doch diese reichten nicht aus. Kostenfreie Aktionsflächen hätten wiederum zusätzliches Personal gebunden – Personal, das vielerorts schlicht nicht vorhanden ist.
Ein herber Verlust für die Vielfalt der Messe
Mit dem Rückzug der Innungen verliert die Handwerkermesse einen wesentlichen Teil ihrer Identität. Vom Schornsteinfeger über Metallbauer bis zum Steinmetz: Diese Bandbreite prägte die Messe ebenso wie beliebte Wettbewerbe und Prüfungen der Bäcker- und Fleischerinnungen, die künftig entfallen.
Fokuswechsel und offene Zukunft
Die 35. Handwerkermesse setzt nun stärker auf Bauen, Immobilien, Kaufen, Mieten und Finanzieren. Ob es für die Kreishandwerkerschaft ein Comeback gibt, bleibt offen. Klar ist nur: Das Handwerk braucht neue Formate. Ob diese bei der bisherigen Messe, in Eigenregie oder mit neuen Partnern entstehen, wird derzeit geprüft.

























