Drei Teilnehmer mit Verbindung zur BTU Cottbus-Senftenberg sind derzeit auf einer außergewöhnlichen Forschungsreise durch Grönland unterwegs. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern folgen sie auf Skiern, mit Kites und schweren Schlitten einer historischen Route quer über das Inlandeis.
Die 40-tägige Expedition „Spurensuche 2026“ startete am 23. Mai in Ilulissat. Ziel ist Tasiilaq an der Ostküste Grönlands. Insgesamt geht es über knapp 700 Kilometer und rund 2.450 Höhenmeter.
BTU-Team auf Grönland-Expedition unterwegs
Sechs Forschende aus Deutschland und der Schweiz sind völlig autark unterwegs. Motoren gibt es nicht. Stattdessen ziehen sie ihre Ausrüstung auf Pulkas, also Schlitten, hinter sich her.
Mit dabei sind drei Teilnehmer mit Verbindung zur Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg: Expeditionsleiter Thomas Hitziger vom Fachgebiet Baumechanik und Numerische Methoden, Wissenschaftler Tom Scheppan vom Fachgebiet Hochspannungstechnik und Elektrische Anlagen sowie Paul Gasch, Bachelorabsolvent im Bauingenieurwesen.
Historische Route wird erstmals in Originalrichtung wiederholt
Die Gruppe folgt der Route des Polarforschers Alfred de Quervain aus dem Jahr 1912. Die Besonderheit: Die historische Strecke wird erstmals im gleichen Jahreszeitraum und in der ursprünglichen Richtung von West nach Ost rekonstruiert.
Rund 350 Kilometer hat das Team bereits geschafft. Vor den Forschenden liegen noch viele Tage in Eis, Schnee, Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt.
Forschung zu Eis, Klima und Mikroplastik
Die Expedition ist nicht nur ein Abenteuer. Das Team sammelt wichtige Daten zur Entwicklung des grönländischen Eisschildes.
Gemessen werden unter anderem Eishöhen, Schneedichten und Wetterdaten. Mithilfe hochpräziser Satellitenmessungen sollen die aktuellen Werte mit Daten früherer Expeditionen verglichen werden. So lassen sich langfristige Veränderungen dokumentieren, etwa dünner werdende Eisschichten am Rand des Inlandeises.
Das eingesetzte Messsystem zeichnet während der gesamten Strecke jede Sekunde einen Datensatz auf. Insgesamt sollen so rund 1,6 Millionen Messwerte zusammenkommen.
Mikroplastik und Energieversorgung im Fokus
Zusätzlich nimmt das Team Schnee- und Eisproben entlang der Route. Diese werden im Auftrag der Universität Freiburg in der Schweiz auf Mikroplastik untersucht.
Auch die Energieversorgung unter extremen Bedingungen wird getestet. Die Expeditionsteilnehmer haben dafür eine angepasste Energiebox mit Photovoltaikmodul und Akkus entwickelt. Mit Spektralanalysen wollen sie unter anderem prüfen, wie effizient die Solarmodule unter der klaren Polaratmosphäre im Vergleich zum Standort Cottbus arbeiten.
Je wärmer die Sommer werden, desto schwieriger wird die Route. Schmelzseen, Schmelzwasserflüsse und offene Gletscherspalten können die Passage über das Inlandeis schnell gefährlich oder unmöglich machen.































