Die gestohlenen Stolpersteine für Nathan und Ellen Bernfeld sind in der Spremberger Pfortenstraße ersetzt worden. Unbekannte hatten die beiden Gedenksteine am 22. August aus dem Gehweg gerissen und entwendet. Nun erinnern an der ursprünglichen Stelle wieder zwei Messingtafeln an das Ehepaar und seine Geschichte während der NS-Zeit.
Viele Spremberger bei Neuverlegung dabei
Die neuen Stolpersteine wurden unter Beteiligung von jüngeren und älteren Sprembergern verlegt. Auch Schülerinnen und Schüler verfolgten die Neuverlegung.
Die ursprünglichen Steine hatte der Künstler Gunter Demnig am 4. Oktober 2023 in der Pfortenstraße eingesetzt. Nach dem Diebstahl stand für die Stadt fest, dass sie an ihren bisherigen Standort zurückkehren sollen.
Damit gibt es in Spremberg/Grodk wieder 18 Stolpersteine. Viele davon gehen auf die Initiative der AG Spurensuche der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Perle der Lausitz zurück.
Nathan Bernfeld wurde während der NS-Zeit verfolgt
Nathan Bernfeld wurde 1872 geboren und kam 1925 nach Spremberg. Dort arbeitete er als Fabrikdirektor in der Textilindustrie.
Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde ihm der Zugang zu den Textilfabriken verwehrt. Später verlor er seine tschechoslowakische Staatsangehörigkeit und wurde als Jude zur Arbeit unter Aufsicht gezwungen.
Anfang 1945 wurde Bernfeld verhaftet und in ein Sammellager nach Berlin gebracht. Zu einer Deportation kam es nicht mehr. Er kehrte nach Spremberg zurück.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war er am Wiederaufbau des Textilwerkes Spremberg beteiligt und leitete es bis zu seinem Tod im Jahr 1950.
Ellen Bernfeld blieb trotz Repressalien bei ihrem Mann
Ellen Bernfeld, geborene Hanisch, wurde 1898 in Luckenwalde geboren. 1932 heiratete sie Nathan Bernfeld und zog mit ihm nach Spremberg.
Als nichtjüdische Ehefrau eines jüdischen Mannes war auch sie während der NS-Zeit Repressalien ausgesetzt. Trotz des Drucks ließ sie sich nicht von ihrem Mann scheiden.
Als Nathan Bernfeld Anfang 1945 verhaftet wurde, musste Ellen Bernfeld Zwangsarbeit leisten. Nach Kriegsende lebte sie weiterhin in Spremberg, wo sie 1955 starb.
Die Stolpersteine in der Pfortenstraße erinnern nun wieder dauerhaft an beide Lebensgeschichten.
Quelle: Sebastian Kron/Stadtverwaltung Spremberg/Grodk
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