Landwirtschaftliches Gerät auf einem Feld

80 Millionen Euro weniger: Brandenburg warnt vor EU-Kürzungen für Landwirte

Brandenburgs Landwirtschaft könnte ab 2028 jährlich rund 80 Millionen Euro weniger Direktzahlungen bekommen. Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt warnt deshalb vor den Plänen der EU-Kommission. Vor allem größere Betriebe in Ostdeutschland könnten durch neue Kürzungen massiv belastet werden.


Bauerntag 2026: Zukunft der Landwirtschaft im Mittelpunkt

Beim Deutschen Bauerntag am 24. und 25. Juni 2026 in Freiburg geht es um eine Frage, die viele Höfe auch in der Lausitz betrifft: Wie viel Unterstützung bekommen Landwirtinnen und Landwirte künftig noch aus Brüssel?

Die Europäische Union arbeitet aktuell an der neuen Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik, kurz GAP, ab dem Jahr 2028. Die EU-Kommission plant Änderungen bei den Direktzahlungen. Genau dagegen stellt sich Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt.

Sie sagt: Die Landesregierung stehe fest an der Seite der Landwirtinnen und Landwirte. Brandenburg wolle sich in Berlin und Brüssel weiter für Änderungen einsetzen.

Geplante Obergrenze bei Direktzahlungen sorgt für Kritik

Kern der Kritik ist eine geplante Kappungsgrenze von maximal 100.000 Euro pro Jahr. Direktzahlungen sollen außerdem schrittweise gekürzt werden. Dieses Verfahren wird Degression genannt.

Nach Ansicht von Ministerin Mittelstädt würde das gerade größere und beschäftigungsintensive Betriebe in Ostdeutschland besonders hart treffen. Denn die Strukturen unterscheiden sich deutlich von vielen kleineren Familienbetrieben in anderen Regionen Deutschlands.

Viele Agrarbetriebe in Brandenburg bewirtschaften große Flächen. Sie beschäftigen Menschen vor Ort, investieren in Technik und sichern Wertschöpfung in Dörfern und kleineren Städten. Pauschale Kürzungen nur nach Betriebsgröße seien deshalb aus Sicht des Landes nicht gerecht.

Mittelstädt warnt: Weniger Förderung könnte weniger Investitionen, weniger Arbeitsplätze und weniger wirtschaftliche Stabilität im ländlichen Raum bedeuten.

Fast 1.800 Betriebe in Brandenburg betroffen

Sollten die Pläne der EU-Kommission unverändert umgesetzt werden, wären in Brandenburg laut Landwirtschaftsministerium knapp 1.800 landwirtschaftliche Betriebe betroffen.

Das entspricht rund 37 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Land. Diese Betriebe bewirtschaften zugleich etwa 92 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Brandenburg.

Damit geht es nicht nur um einzelne Höfe. Es geht um einen großen Teil der Landwirtschaft im Land. Auch für die Lausitz wäre das relevant. Landwirtschaftliche Betriebe prägen hier viele Orte, schaffen Arbeitsplätze und sind wichtige Partner für regionale Unternehmen, Lebensmittelproduktion und Landschaftspflege.

Brandenburg fordert faire Regeln für große und kleine Betriebe

Die Landesregierung fordert deshalb eine GAP-Förderung, die unterschiedliche Betriebsstrukturen berücksichtigt. Große und kleine Betriebe dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Ministerin Mittelstädt verlangt von der Bundesregierung, sich in den laufenden Verhandlungen klar für Ostdeutschland einzusetzen. Nur der Bund habe direkten Einfluss auf die Verhandlungen auf EU-Ebene.

Noch können Abgeordnete des Europäischen Parlaments bis zum 9. Juli 2026 Änderungsanträge zu den Vorschlägen der EU-Kommission einbringen. Für Brandenburg ist diese Phase deshalb besonders wichtig.

„Offensive Ost“ soll Druck auf Brüssel und Berlin erhöhen

Brandenburg setzt bei seiner Forderung nicht allein auf den eigenen Einfluss. Auf Initiative von Hanka Mittelstädt haben sich die ostdeutschen Bundesländer und die ostdeutschen Landesbauernverbände Anfang des Jahres zusammengeschlossen.

Gemeinsam haben sie die Berliner Erklärung „Offensive Ost“ an die Bundesregierung und die EU gerichtet. Dahinter steht ein klares Ziel: Ostdeutschland will mit einer gemeinsamen Stimme bessere Bedingungen für Landwirtschaft und ländliche Räume durchsetzen.

Die Initiative soll deutlich machen, dass die landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands bei der neuen EU-Förderung stärker berücksichtigt werden müssen.

Was jetzt für Brandenburg auf dem Spiel steht

Die Diskussion um die neue GAP-Förderung ist für viele Menschen auf den ersten Blick kompliziert. Die Folgen wären aber direkt vor Ort spürbar.

Weniger Geld für Landwirtschaft kann bedeuten: weniger Investitionen in moderne Technik, weniger Planungssicherheit für Betriebe und mehr Druck auf Arbeitsplätze in ländlichen Regionen. Gerade in der Lausitz, wo Strukturwandel und wirtschaftliche Entwicklung ohnehin wichtige Themen sind, schauen viele Betriebe genau auf die Entscheidungen aus Brüssel und Berlin.

Brandenburg will deshalb verhindern, dass große Betriebe pauschal benachteiligt werden. Die kommenden Wochen könnten entscheidend dafür sein, wie die Landwirtschaft ab 2028 unterstützt wird.

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Autor: Redaktion

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