Heute ist in Cottbus ein besonderer Moment des Erinnerns erreicht worden: Der 100. Stolperstein Cottbus ist verlegt worden. Insgesamt sind heute vier neue Gedenksteine hinzugekommen. Damit haben nun 103 Stolpersteine im Stadtgebiet an Menschen erinnert, die während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt, deportiert oder ermordet worden sind.
Die Verlegung hat heute erneut der Künstler Gunter Demnig übernommen, der das europaweite Erinnerungsprojekt initiiert hat. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben die Zeremonie begleitet.
100. Stolperstein Cottbus für Eugen Heilbrun
Der 100. Stolperstein Cottbus ist heute um 11:30 Uhr vor dem Haus Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 13 ins Straßenpflaster eingelassen worden. Der Stein hat an den Ingenieur Eugen Heilbrun erinnert.
Heilbrun hat seit 1902 in Cottbus gelebt und ist mit der Protestantin Gertrud Koppe verheiratet gewesen. Nachdem er im Februar 1936 den Erhalt des vorläufigen Reichsbürgerrechts beantragt hat, haben Behörden seine Familiengeschichte überprüft. Dabei ist festgestellt worden, dass er nach den rassistischen Kriterien der Nationalsozialisten als Jude gegolten hat.
Im Oktober 1936 ist er wegen der Beschäftigung einer sogenannten „arischen“ Hausangestellten zu Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt worden. In einem Berufungsverfahren ist die Haft später ausgesetzt worden, die Geldstrafe hat sich jedoch deutlich erhöht.
Schließlich haben die Nationalsozialisten Eugen Heilbrun im November 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Dort ist er am 12. März 1942 gestorben.


Weitere Stolpersteine sind heute um 11:40 Uhr für die Familie Kaczka verlegt worden
Im Anschluss sind heute um 11:40 Uhr drei weitere Stolpersteine vor dem Haus Klosterstraße 25 verlegt worden. Sie haben an Mitglieder der Familie Kaczka erinnert, die dort ab 1919 mit ihren fünf Kindern gelebt hat.
Der Vater Fischel Kaczka hat eine Rohproduktenhandlung betrieben und so den Lebensunterhalt der Familie gesichert.
Ende Oktober 1938 haben die Nationalsozialisten die Eltern Fischel und Malka Ides Kaczka an die polnische Grenze nach Bentschen deportiert. Von dort sind sie zunächst nach Poznan geflohen und später in das Ghetto Lodz gebracht worden. Dort sind sie vermutlich ermordet worden.
Ihr Sohn Gustav Kaczka hat sich bereits vor 1938 wegen Depressionen in einer Berliner Heilanstalt befunden. 1941 ist er in das Jüdische Krankenhaus Berlin-Wedding verlegt worden. 1943 haben die Nationalsozialisten ihn nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet worden ist.
Stolpersteine erinnern im Alltag
Die Stolpersteine sind Teil eines europaweiten Kunst- und Erinnerungsprojekts des Künstlers Gunter Demnig. Die 10 x 10 Zentimeter großen Messingtafeln sind jeweils vor dem letzten freiwilligen Wohnort der Opfer in das Straßenpflaster eingelassen worden.
Vorbeigehende sollen mit den Augen über die kleinen Tafeln „stolpern“ und so im Alltag an die Schicksale der Menschen erinnert werden, die durch das NS-Regime entrechtet, deportiert und ermordet worden sind.























