Investor zieht sich zurück: Letzter Solarglas-Standort Europas in Tschernitz wankt

LIVEBLOGDieser Eintrag war Teil des Liveblogs „Lausitz Live – Der Tag im Ticker – Freitag, 28. November 2025“.Liveblog ansehen

Die Glasmanufaktur in Tschernitz steht unmittelbar vor der Schließung. Nachdem der vorgesehene Investor seine Zusage zurückgezogen hat, droht dem Werk das Aus – und mit ihm verliert die EU ihren letzten Hersteller von Solarglas. Für rund 220 Beschäftigte und ihre Familien ist das ein Schock mitten im Strukturwandel der Lausitz.


Investor steigt aus – Zukunft der Glasmanufaktur bricht weg

Die IGBCE spricht von einer dramatischen Wendung: Der geplante Investor für die Glasmanufaktur in Tschernitz konnte offenbar keine gesicherte Finanzierung aufbauen und hat seine Zusage zurückgenommen. Damit steht der Standort faktisch vor der endgültigen Schließung.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist das weit mehr als nur eine regionale Unternehmenspleite. Mit dem drohenden Aus in Tschernitz verschwindet der letzte Solarglas-Hersteller in der EU. Künftig wären Deutschland und Europa bei diesem wichtigen Bauteil der Energiewende vollständig von stark subventionierten Importen aus Asien abhängig – ein Signal, das die IGBCE als industriepolitische Kapitulation wertet.


Letzter Solarglas-Standort Europas in Gefahr

Solarglas gilt als zentrales Element für Photovoltaik und die grüne Transformation. Genau in dieser Schlüsselbranche droht nun ein kompletter Rückzug aus Europa. Während weltweit über Resilienz, Lieferketten und Unabhängigkeit diskutiert wird, sieht die IGBCE im möglichen Aus der Glasproduktion in Tschernitz ein fatales Zeichen.

Die Botschaft der Gewerkschaft ist deutlich: Wer den letzten europäischen Solarglas-Standort aufgibt, schwächt nicht nur eine Region, sondern schneidet sich bei der Energiewende ins eigene Fleisch. Für die Lausitz, die ohnehin mitten im Strukturwandel steckt, wäre das ein weiterer schmerzhafter Einschnitt.


Beschäftigte werden freigestellt – Kündigungen bis März

Für die Belegschaft der Glasmanufaktur zählt jetzt jede Woche. Nach Angaben der IGBCE sollen die Beschäftigten bereits zum 1. Dezember freigestellt werden. Die Kündigungsfristen laufen voraussichtlich bis spätestens März – danach droht die vollständige Betriebsschließung.

Aus Gewerkschaftssicht ist das besonders bitter, weil die Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten alles versucht haben, den Standort zu retten. Sie haben Gespräche, Prüfungen und Verhandlungen mitgetragen und auf eine positive Perspektive gesetzt. Umso größer ist nun die Enttäuschung, dass sich dieses Zukunftsversprechen nicht erfüllt.


IGBCE kritisiert Investor und Bundespolitik

In ihrer Stellungnahme spart die IGBCE nicht mit Kritik. Vor allem die fehlende Verlässlichkeit des Investors in den entscheidenden Wochen sorgt für Wut. Rund 220 Menschen hätten sich auf ein tragfähiges Konzept verlassen, nun stünden sie vor einem Scherbenhaufen – so die Botschaft der Gewerkschaft.

Deutlich angezählt wird auch die Bundespolitik. Aus Sicht der IGBCE wurde zu lange gezögert und auf Marktmechanismen vertraut, während den Beschäftigten die Zeit davonlief. Die Gewerkschaft hatte auf einem Glasforum in Magdeburg ihre Forderungen für die Glasindustrie bereits klar vorgetragen – auch Kolleginnen und Kollegen aus Tschernitz waren damals noch mit Hoffnung dabei.


Kritik an Ex-Eigentümer Borosil

Neben Investor und Politik gerät auch der frühere Eigentümer in den Fokus: die indische Muttergesellschaft Borosil. Die IGBCE wirft dem Unternehmen vor, sich nach Kurzarbeit und Insolvenz zu schnell aus der Verantwortung zurückgezogen zu haben. Aus gewerkschaftlicher Sicht passt dieses Verhalten nicht zu einem fairen Umgang mit Beschäftigten, die jahrelang für den Standort gearbeitet haben.

Die Gewerkschaft kündigt an, ihrer Wut und Enttäuschung deutlich Ausdruck zu verleihen – nicht nur in Stellungnahmen, sondern auch sichtbar vor Ort.


Protest in Tschernitz – Gewerkschaft bleibt an der Seite der Beschäftigten

Die IGBCE will die drohende Schließung der Glasmanufaktur nicht still hinnehmen. Für Montag ist eine Protestaktion in Tschernitz geplant, zu der die Gewerkschaft aufruft. Ziel ist es, den Druck auf Politik, ehemalige Eigentümer und mögliche Investoren zu erhöhen – und deutlich zu machen, dass es hier nicht nur um Zahlen, sondern um Existenzen geht.

Der IGBCE-Bezirk Lausitz begleitet die Beschäftigten weiter eng. Der Bezirk vertritt in der Region zahlreiche Betriebe der Energie-, Bergbau-, Chemie- und Glasindustrie – und erlebt den Strukturwandel im Revier seit Jahren hautnah. Die mögliche Schließung in Tschernitz wäre ein weiterer Einschnitt in eine Region, die ohnehin vor großen Herausforderungen steht.


Wie es mit der Glasproduktion in Tschernitz und dem Strukturwandel in der Lausitz weitergeht, hört Ihr bei Radio Cottbus – im Programm und auf radiocottbus.de

Autor: Redaktion

Und auf Radio Cottbus …

mehr Lausitznews