Kann eine Mikroalge dabei helfen, neue Wirkstoffe gegen Leberkrebs zu finden? Genau das untersucht ein Forschungsteam der BTU Cottbus-Senftenberg im Projekt AVantiLT. Im Mittelpunkt steht Spirulina. Die Forschenden wollen herausfinden, ob bestimmte Inhaltsstoffe das Wachstum von Lebertumorzellen hemmen können, ohne gesundes Gewebe stark zu schädigen.
Spirulina gegen Leberkrebs: Wirkung bisher nur im Labor untersucht
Ausgangspunkt der Forschung ist eine Beobachtung aus Zell- und Tierversuchen. Dort zeigte sich, dass Spirulina-Extrakte Krebszellen hemmen können. Welche Bestandteile dafür verantwortlich sind und wie gezielt diese Wirkung tatsächlich ist, ist bislang jedoch unklar.
Genau hier setzt das BTU-Projekt an.
Das Forschungsteam untersucht sowohl die Inhaltsstoffe der Mikroalge als auch deren Wirkung auf menschliche Leberzellen. Ziel ist es herauszufinden, ob sich aus dem Extrakt langfristig ein Wirkstoff ableiten lässt, der Tumorzellen stärker angreift als gesundes Gewebe.
Forschungsteam in Senftenberg arbeitet an zwei Seiten gleichzeitig
Am Fachgebiet Molekulare Zellbiologie unter Leitung von Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper werden zwei Forschungsansätze miteinander verbunden.
Dr. Steffen Braune untersucht die möglichen Wirkstoffe in der Mikroalge. Dr. Sarah Kammerer prüft parallel, welche Effekte diese Stoffe auf menschliche Leberzellen haben.
Erst aus dem Zusammenspiel beider Bereiche lässt sich bewerten, ob ein möglicher therapeutischer Ansatz realistisch ist.
Phycocyanin gilt als interessanter Kandidat
Ein Stoff steht besonders im Fokus: Phycocyanin, der blaue Farbstoff der Mikroalge.
Ob dieser tatsächlich für die beobachtete Wirkung verantwortlich ist, ist noch nicht bewiesen. Deshalb untersucht das Team nicht nur einzelne Stoffe, sondern zunächst den vollständigen wasserlöslichen Spirulina-Extrakt.
Neben naturstoffchemischen Analysen kommen auch Systembiologie und Bioinformatik zum Einsatz.
Projekt wird mit 1,85 Millionen Euro gefördert
Das Projekt läuft über fünf Jahre bis 2027 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit knapp 1,85 Millionen Euro gefördert.
Perspektivisch soll über das Senftenberger Start-up Carbon Biotech GmbH eine regionale Wertschöpfungskette entstehen – von hochreinen Spirulina-Rohstoffen bis hin zu möglichen Anwendungen in Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln.
Noch keine Therapie für Patientinnen und Patienten
Wichtig ist: Eine Behandlungsmöglichkeit für Leberkrebs ist daraus noch nicht entstanden.
Bislang gibt es keine klinischen Studien an Patientinnen und Patienten, die eine Wirksamkeit bei Leberkrebs belegen. Die bisherigen Erkenntnisse beruhen auf Zellkultur- und Tierstudien.
Handelsübliche Spirulina-Produkte sind deshalb nicht zur Behandlung von Krebs geeignet
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