Net Zero Valley Lausitz bei Real Estate Arena in hannover, Visualisierung des überarbeiteten Standdesigns mit doppelter Lausitz-Power, Foto: EGC / Büro68

Lausitz fordert Reallabore für neue Industrie

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Die Lausitz soll bei neuen Technologien nicht nur zuschauen, sondern sie direkt unter realen Bedingungen testen. Nach der aktuellen Entwicklung beim Reallabore-Gesetz fordern die Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK Cottbus), die Handwerkskammer Cottbus (HWK Cottbus) und die IHK Dresden deshalb konkrete Schritte von Brandenburg und Sachsen.

Kritik nach Entscheidung zum Reallabore-Gesetz

Das Reallabore-Gesetz soll grundsätzlich bessere Bedingungen schaffen, damit Innovationen schneller erprobt werden können. Die Bundesregierung beschreibt das Gesetz als Instrument für einfachere Verfahren, bessere Vernetzung und einen systematischen Transfer von Erfahrungen in die Gesetzgebung.

Aus Sicht der Lausitzer Wirtschaft fehlt aber eine klare Berücksichtigung der Net-Zero-Valleys. Gerade diese Regionen hätten aus ihrer Sicht besonders von einem verbindlichen Rahmen profitieren können.

Bei den Decarbon Days in Cottbus wurde deutlich, dass die Erwartung hoch ist: Vertreter deutscher und europäischer Valley-Regionen tauschten sich dort über saubere Technologien und industrielle Transformation aus.

Reallabore sollen Ideen schneller in die Praxis bringen

Ein Reallabor ist vereinfacht gesagt ein Testfeld unter echten Bedingungen. Unternehmen können dort neue Technologien, Produktionsabläufe oder Energielösungen ausprobieren, bevor sie großflächig eingesetzt werden.

Genau das könnte für die Lausitz wichtig sein. Die Region ist seit Ende 2025 als erstes europäisches Net Zero Valley ausgewiesen. Im Mittelpunkt stehen saubere Industrie, Speichertechnologien, Wasserstoff, Stromnetze, Energieeffizienz und neue Wertschöpfungsketten.

Die Hoffnung: Weniger bürokratische Hürden, schnellere Genehmigungen und mehr Möglichkeiten, Innovationen gemeinsam mit Betrieben vor Ort zu testen.

Brandenburg und Sachsen sollen jetzt handeln

Dr. Maria Marquardt, Sprecherin des Net Zero Valley Lausitz, sieht die Länder in der Pflicht:

„Das Reallabore-Gesetz hätte den Net-Zero-Valleys sicherlich noch einmal zusätzlichen Schub geben können. Entscheidend ist aber: Der Erfolg unserer Region hängt nicht von einem einzelnen Gesetz ab. Brandenburg und Sachsen sind jetzt gefordert, gemeinsam mit der Wirtschaft die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen und Landeserprobungsgesetze für Brandenburg und Sachsen auf den Weg zu bringen.“

Auch Jens Taschenberger, Vizepräsident der IHK Cottbus und Mitinitiator der Decarbon Days, fordert, dass die Lausitz ihre Interessen gemeinsam mit anderen Net-Zero-Valley-Regionen deutlich vertritt:

„Das Gesetz ist bewusst offen formuliert. Umso wichtiger ist es jetzt, dass sich die Lausitz im Schulterschluss mit anderen Net-Zero-Valley-Regionen – etwa in Niedersachsen, dem Rheinischen Revier und Schleswig-Holstein – klar positioniert und ihre Interessen einbringt.“

Dabei geht es nicht nur um große Industrieprojekte. Reallabore können auch für mittelständische Betriebe, Handwerksunternehmen und Zulieferer interessant sein.

Handwerk soll von neuen Technologien profitieren

Für die Handwerkskammer Cottbus ist entscheidend, dass Innovationen in der Region nicht nur diskutiert werden, sondern konkrete Aufträge und Wertschöpfung entstehen. Handwerksbetriebe könnten bei neuen Projekten zum Beispiel beim Bau, bei Installationen, Wartung, Energieversorgung oder modernen Industrieprozessen beteiligt sein.

Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, betont deshalb:

„Net-Zero-Valleys sind eine große Chance, die Lausitz zu einem Magneten für Innovation, Investitionen und qualifizierte Fachkräfte zu machen. In den sogenannten Reallaboren sollen neue Technologien und Verfahren schneller aus der Theorie in die praktische Anwendung gelangen – gemeinsam mit unseren Betrieben vor Ort. Wenn hier Innovationen geschaffen, erprobt und umgesetzt werden, entsteht daraus Wertschöpfung in der gesamten Region – und davon profitiert am Ende auch das Handwerk. Entscheidend ist: Das Ergebnis muss für unsere Handwerker sichtbar werden. Sie sind wichtige Partner bei der praktischen Umsetzung: ob beim Bau, bei der Installation, Wartung, Energieversorgung oder bei neuen industriellen Prozessen. Deshalb gilt es, die Potenziale der Net-Zero-Valleys weiterhin sichtbar zu machen und Reallabore konsequent für die regionale Entwicklung zu nutzen.“

Lausitz will Zukunftstechnologien vor Ort testen

Auch Unternehmen aus der Region wollen sich aktiv einbringen. Jochem Schöppler von Euromovement verweist auf das Projekt Green Areal Lausitz, kurz GRAL, das zum Net Zero Valley Lausitz gehört:

„Ich finde es sehr schade, dass bei dem Gesetz nicht stärker übergreifend gedacht wurde, Net-Zero-Valleys gehören aus unserer Sicht klar in diesen Kontext. Auch wenn es im Reallabor oft schwierig ist, wirtschaftliche Entscheidungen von größerer Dimension zu treffen, weil Investitionen vielleicht noch nicht auf stabilen wirtschaftlichen Beinen stehen, ist es ein klares Zukunftsthema, das für Unternehmen sehr spannend ist. Als Euromovement GmbH haben wir mit unserem GRAL daher ein großes Interesse, uns aktiv einzubringen und das Thema weiter voranzubringen.“

Die Richtung ist klar: Neue Technologien sollen nicht erst nach langen Planungsphasen an anderer Stelle umgesetzt werden. Die Lausitz will sie möglichst früh unter echten Bedingungen testen und daraus neue Unternehmen, Arbeitsplätze und Aufträge entwickeln.

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Foto: EGC / Büro68

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Autor: Redaktion

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