Die Bundeswehr bekommt künftig einen einfacheren Zugang zu Schulen in Brandenburg. Bildungsminister Gordon Hoffmann und das Landeskommando Brandenburg haben dafür eine neue Kooperationsvereinbarung geschlossen. Jugendoffiziere können damit leichter in den Unterricht eingebunden werden – allerdings nur, wenn eine Schule sie ausdrücklich einlädt.
Für Schülerinnen und Schüler soll es dabei um Fragen gehen, die viele gerade stark beschäftigen: Krieg, Frieden, Sicherheit, Verteidigung und internationale Verantwortung. Das Angebot bleibt freiwillig. Keine Schule wird verpflichtet, die Bundeswehr in den Unterricht zu holen.
Bundeswehr soll über Sicherheitspolitik informieren
Mit der neuen Vereinbarung will das Bildungsministerium die Arbeit der Jugendoffiziere an Brandenburger Schulen stärker unterstützen. Diese Jugendoffiziere treten nicht als klassische Lehrer auf, sondern informieren über sicherheitspolitische Themen. Dazu können Vorträge, Diskussionen oder Gesprächsrunden gehören. Inhaltlich geht es zum Beispiel um den Krieg in der Ukraine, um Verteidigung, internationale Konflikte oder auch um Fragen rund um den Wehrdienst.
Bildungsminister Gordon Hoffmann sagte, junge Menschen machten sich viele Gedanken zu Krieg, Frieden und Sicherheit. Genau deshalb müsse Schule diese Fragen aufgreifen können. Aus seiner Sicht brauche es dafür auch Gesprächspartner, die aus eigener Erfahrung berichten können.
Schulen entscheiden selbst über Einladungen
Wichtig ist: Die Bundeswehr kommt nicht automatisch in die Klassenzimmer. Die Schulen entscheiden selbst, ob sie das Angebot nutzen möchten. Die Kooperationsvereinbarung erleichtert vor allem den Kontakt. Die Bundeswehr kann künftig über das Bildungsministerium direkt mit Schulen in Verbindung treten. Eingeladen werden muss sie aber weiterhin von der jeweiligen Schule.
Auch die Ausgestaltung bleibt offen. Möglich sind reine Informationsveranstaltungen, Diskussionen oder Podien mit unterschiedlichen Gästen. Hoffmann verwies darauf, dass auch Vertreter von Friedensinitiativen eingebunden werden können. Lehrkräfte sollen die Veranstaltungen begleiten und dafür sorgen, dass verschiedene Perspektiven vorkommen. Grundlage bleibt der Unterricht und die Anbindung an die Lehrpläne.
Keine Nachwuchswerbung im Unterricht
Ein zentraler Punkt der Vereinbarung ist die Abgrenzung zur Nachwuchswerbung. Die Bundeswehr soll an Schulen über Sicherheitspolitik informieren, aber nicht für eine militärische Laufbahn werben. Vertreter der Bundeswehr betonen, dass der sogenannte Beutelsbacher Konsens eingehalten werden soll. Dieser Grundsatz bedeutet: Schülerinnen und Schüler dürfen nicht einseitig beeinflusst oder zu einer bestimmten Meinung gedrängt werden. Themen, die in der Gesellschaft kontrovers diskutiert werden, sollen auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass im Klassenzimmer nur eine Sichtweise vorkommt.
Politisch bekommt die neue Kooperation in Brandenburg Unterstützung von CDU, SPD und AfD. Sie sehen in den Schulbesuchen eine Möglichkeit, Jugendliche besser über aktuelle sicherheitspolitische Fragen zu informieren. Kritik kommt vom BSW, dort wird die Vereinbarung abgelehnt. Die Partei spricht von einer Militarisierung der Schülerschaft.
Damit ist klar: Die Besuche der Bundeswehr an Schulen bleiben ein politisch sensibles Thema. Die einen sehen darin wichtige politische Bildung. Die anderen befürchten, dass militärische Sichtweisen zu viel Raum bekommen.
Auch Berlin hat eine ähnliche Vereinbarung
Brandenburg ist mit dem Schritt nicht allein, auch Berlin hat bereits eine vergleichbare Vereinbarung mit der Bundeswehr geschlossen. Dort wurde ebenfalls betont, dass Jugendoffiziere keine Nachwuchswerbung betreiben sollen. Es gehe darum, zu sicherheitspolitischen Fragen Stellung zu nehmen und Schülerinnen und Schülern eine eigene Meinungsbildung zu ermöglichen. Auch in Berlin gab es Kritik, unter anderem aus der Linken-Fraktion. Der Vorwurf dort ähnelt der Debatte in Brandenburg: Schule dürfe nicht militarisiert werden.
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