Der Kostendruck im Handwerk nimmt in der Region deutlich zu. Zwar zeigt die Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Cottbus noch keine flächendeckende Krise, doch steigende Energie-, Material- und Kraftstoffkosten verschärfen die Lage für viele Betriebe spürbar. Vor allem das gewerbliche Handwerk, das Nahrungsmittelhandwerk und fahrzeugabhängige Unternehmen kämpfen mit sinkenden Spielräumen.
Kostendruck im Handwerk trifft die Betriebe immer härter
Die aktuelle Umfrage zeichnet ein zweigeteiltes Bild. Während das Gesundheitshandwerk weiter von einer stabilen Nachfrage und der demografischen Entwicklung profitiert, geraten andere Bereiche zunehmend ins Wanken. Besonders betroffen sind die Handwerke für den gewerblichen Bedarf, die unter der anhaltenden Schwäche der Industrie leiden.
Auch im Kraftfahrzeuggewerbe zeigt sich die Unsicherheit deutlich. Private Haushalte halten sich beim Fahrzeugkauf zurück, das Werkstattgeschäft läuft dagegen weiter stabil. Noch angespannter ist die Lage im Nahrungsmittelhandwerk. Dort treffen hohe Kosten auf wachsenden Preisdruck durch den Einzelhandel.
Geschäftslage kippt gegenüber dem Vorquartal
Im Vergleich zum Herbst 2025 hat sich die Stimmung im Handwerk deutlich verschlechtert. Der Anteil zufriedener Betriebe ist von 76,4 Prozent auf 69,3 Prozent gesunken. Gleichzeitig bewerten nur noch 13,8 Prozent ihre Lage als gut. Mehr als die Hälfte spricht nur noch von einer befriedigenden oder saisonüblichen Situation.
Besonders alarmierend ist der Blick auf die negativen Rückmeldungen. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Einschätzung stieg auf 30,7 Prozent. Hauptgründe sind laut Umfrage vor allem stark gestiegene Kraftstoffpreise und die Sorge vor Materialengpässen. Viele Unternehmen können diese zusätzlichen Belastungen nicht sofort an ihre Auftraggeber weitergeben. Das setzt die Liquidität erheblich unter Druck.
Umsätze und Aufträge bleiben unter Spannung
Auch bei den Umsätzen fehlt es an neuem Schwung. Nur 12,8 Prozent der Unternehmen melden steigende Umsätze. Gleichzeitig berichten 51,4 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung, während 35,9 Prozent Rückgänge verzeichnen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Aufträgen. Nur 15,2 Prozent der Betriebe sprechen von steigenden Auftragseingängen. Knapp die Hälfte meldet eine stabile Entwicklung. Der Anteil der Unternehmen mit rückläufigen Aufträgen bleibt mit 35,2 Prozent hoch.
Mehr Auftragsreichweite, aber nicht wegen besserer Nachfrage
Auf den ersten Blick klingt die gestiegene Auftragsreichweite von 9 auf 9,8 Wochen positiv. Tatsächlich steckt dahinter jedoch keine neue wirtschaftliche Stärke. Vielmehr sorgen gestörte Lieferketten, fehlende Vorprodukte und der anhaltende Fachkräftemangel dafür, dass Projekte langsamer abgearbeitet werden.
Für viele Betriebe bedeutet das: Die Auftragsbücher sind zwar gefüllt, aber die Umsetzung wird immer schwieriger. Genau das verschärft den Kostendruck im Handwerk zusätzlich.
Preisdruck wächst, Personalprobleme bleiben
Viele Betriebe stehen inzwischen vor einem schwierigen Spagat. Einerseits steigen die eigenen Kosten weiter. Andererseits lassen sich höhere Preise am Markt oft nicht vollständig durchsetzen. Nur 23,8 Prozent der Unternehmen konnten ihre Verkaufspreise erhöhen. Fast die Hälfte versucht mit großem Aufwand, die Preise stabil zu halten. 28,3 Prozent mussten ihre Preise sogar senken.
Hinzu kommt die angespannte Lage beim Personal. Nur 8,6 Prozent der Betriebe konnten ihren Personalbestand ausbauen. Bei 21,4 Prozent ist die Beschäftigung gesunken. Ein Grund dafür sind auch altersbedingte Renteneintritte. Viele Unternehmen stemmen sich mit großem Aufwand gegen weitere Verluste, doch die strukturellen Probleme bleiben.
Iran-Konflikt verschärft die wirtschaftlichen Risiken
Besonders brisant: Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen rund um den eskalierten Iran-Konflikt sind in den Umfragezahlen noch gar nicht vollständig enthalten. Die Folgen sind laut Handwerkskammer aber bereits deutlich spürbar. Öl- und Dieselpreise sind sprunghaft gestiegen. Vor allem Betriebe mit hohem Fahrzeuganteil geraten dadurch massiv unter Druck.
Gleichzeitig verteuern sich erdölbasierte Materialien wie Kunststoffe und Kabel. Auch neue Engpässe bei Rohstoffen wie Aluminium drohen. Für viele Handwerksbetriebe werden Kalkulationen dadurch immer unsicherer. Die ohnehin knappen Margen geraten weiter in Gefahr.
Handwerkskammer fordert schnelles politisches Handeln
Die Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, Corina Reifenstein, fordert deshalb rasche Unterstützung durch die Politik. Aus Sicht der Kammer braucht es unbürokratische Preisgleitklauseln für öffentliche Aufträge, spürbare steuerliche Entlastungen bei Energie- und Kraftstoffkosten sowie insgesamt verlässlichere Rahmenbedingungen.
Die Sorge ist groß, dass ohne schnelle Maßnahmen wichtige Bau- und Infrastrukturprojekte ins Stocken geraten könnten. Gleichzeitig warnt die Kammer vor zusätzlichen Belastungen, die viele Betriebe in der aktuellen Lage nicht mehr schultern können.
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Foto: HWK Cottbus, Veronika Martin























