Im Stadtmuseum Cottbus gibt es seit dem 7. Oktober die Ausstellung „Die Verleugneten“ zu sehen. Sie erinnert an Menschen, die während des Nationalsozialismus unter den damaligen Bezeichnungen „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ verfolgt, inhaftiert und teilweise ermordet wurden. Besonders für Cottbus wurden die Lebensgeschichten von zwei Menschen aus der Region neu recherchiert.
Mindestens 80.000 Menschen kamen in Konzentrationslager
Die Ausstellung rückt eine Opfergruppe in den Mittelpunkt, die jahrzehntelang kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekam. Behörden und Polizei haben zwischen 1933 und 1945 gesellschaftliche Vorurteile aufgegriffen und Menschen verfolgt, die nicht in das nationalsozialistische Gesellschaftsbild gepasst haben. Viele wurden entrechtet, in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Stadtmuseum-Kurator Paul Fröhlich hat im Gespräch erklärt, dass nach heutigem Forschungsstand mindestens 80.000 Menschen aus diesen Gruppen in Konzentrationslager gekommen sind. Wie viele von ihnen dort gestorben sind, lässt sich bis heute nicht genau beziffern.
Die Ausstellung wurde von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entwickelt. In Cottbus wird sie gemeinsam mit mehreren regionalen Partnern gezeigt.
Zwei Schicksale aus der Cottbuser Region
Besonders wichtig sind die persönlichen Biografien. Fotos, Dokumente und Zeichnungen zeigen, was Verfolgung für einzelne Menschen konkret bedeutet hat. Für die Station in Cottbus wurden zusätzlich zwei Lebensgeschichten von Menschen aus der Region recherchiert. Zu sehen sind teilweise Bilder aus der Zeit vor der Verfolgung und spätere Aufnahmen aus Haft oder polizeilicher Erfassung. Gerade dieser direkte Vergleich mache die Folgen der Verfolgung besonders sichtbar, sagt Fröhlich. Hinzu kommen seltene Zeichnungen von Verfolgten aus Konzentrationslagern. Während viele bekannte Bilder dieser Zeit aus der Perspektive der Täter stammen, zeigen diese Arbeiten den Blick der Betroffenen selbst.
Anerkennung als NS-Opfer erst 2020
Nach Kriegsende hat die Ausgrenzung für viele Betroffene nicht geendet. In der Bundesrepublik, der DDR und Österreich wurde ihnen lange eine Entschädigung verweigert. Erst 2020 erkannte der Deutsche Bundestag ausdrücklich an, dass auch die unter den nationalsozialistischen Kategorien „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ Verfolgten Opfer der NS-Gewaltherrschaft waren. Aus diesem Beschluss heraus entstand schließlich auch die Wanderausstellung. Die offizielle Eröffnung war in Cottbus bereits am 7. Oktober im Stadtmuseum.
Ausstellung schlägt auch eine Brücke in die Gegenwart
Für Anett Quint vom Justus Delbrück Haus ist das Thema auch heute relevant. Die Einrichtung begleitet unter anderem junge Menschen, die von Wohnungslosigkeit, Suchterkrankungen oder gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind. Quint berichtet, dass Stigmatisierung auch für diese jungen Menschen zum Alltag gehören kann. Genau dieser Bezug zur Gegenwart war ein Grund, die Ausstellung nach Cottbus zu holen. Bereits vor rund zwei Jahren hatte sich das Justus Delbrück Haus um das Projekt bemüht. Gemeinsam mit der BTU, dem Stadtmuseum und weiteren Partnern konnte die Ausstellung schließlich nach Cottbus geholt werden.
Führungen, Rundgänge und weitere Veranstaltungen geplant
Die Ausstellung ist voraussichtlich bis zum 3. Januar 2027 im Stadtmuseum Cottbus in der Bahnhofstraße 22 zu sehen. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Programm. Dazu gehören unter anderem Stolpersteinrundgänge, kuratorische Führungen, Vorträge und Gesprächsveranstaltungen. Geöffnet ist das Stadtmuseum dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr. Am 24. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen.
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