Wie erinnern wir an Menschen, die während der sowjetischen Diktatur verfolgt, verschleppt oder getötet wurden? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Veranstaltung des Vereins Aufarbeitung Cottbus am Freitag, 16. Oktober, um 17 Uhr im Stadtmuseum Cottbus. Gemeinsam mit Memorial Deutschland möchte der Verein über politische Verfolgung informieren. Außerdem ist für November eine besondere Gedenktafel in Cottbus geplant.
Memorial Deutschland zu Gast in Cottbus
Unter dem Titel „Warum wir das machen“ lädt der Verein „Aufarbeitung Cottbus e.V.“ zu einem Gespräch über Erinnerungskultur, Menschenrechte und politische Verfolgung ein. Zu Gast sind Vertreter von Memorial Deutschland. Die Organisation beschäftigt sich mit den Opfern politischer Repressionen in der Sowjetunion und in Russland. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1989 zurück. In Russland wurde Memorial verboten. Die Arbeit für die Aufarbeitung der Vergangenheit und den Schutz der Menschenrechte geht jedoch weiter. Christoph Polster, Vorsitzender des Vereins Aufarbeitung Cottbus, betont, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den Diktaturen der Vergangenheit ist. Sein Verein beschäftigt sich sowohl mit den Verbrechen des Nationalsozialismus als auch mit der SED-Diktatur.
Auch Menschen aus Cottbus wurden verschleppt
Während der sowjetischen Besatzungszeit und in den ersten Jahren der DDR verschleppten sowjetische Behörden Menschen aus Deutschland in die Sowjetunion. Einige von ihnen wurden aufgrund falscher Anschuldigungen zum Tode verurteilt. Viele Familien erfuhren über Jahrzehnte nicht, was mit ihren Angehörigen geschehen war. Erst nach dem Ende der Sowjetunion ermöglichten geöffnete Archive neue Erkenntnisse. In den 1990er-Jahren rehabilitierten russische Behörden zahlreiche Betroffene. Auch Menschen aus Cottbus gehören zu den Opfern dieser politischen Verfolgung. Der Verein möchte ihre Geschichten sichtbar machen und weitere Schicksale erforschen.
Gedenktafel für Roland Kurze am 12. November
Ein wichtiger Teil dieser Erinnerungsarbeit ist das Projekt „Die letzte Adresse“ von Memorial Deutschland. Ähnlich wie die Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus erinnern kleine Gedenktafeln an Menschen, die unter sowjetischer politischer Verfolgung litten. Die Tafeln befinden sich an den letzten bekannten Wohnadressen der Betroffenen. In Cottbus soll am 12. November 2026 eine solche Gedenktafel für Roland Kurze angebracht werden. Sie wird an seiner früheren Wohnadresse in der Sielower Landstraße 101 angebracht. Christoph Polster kündigt dazu ein stilles Gedenken an. Auch die Cottbuserinnen und Cottbuser sollen daran teilnehmen können.
Weitere Schicksale aus Cottbus sollen erforscht werden
Bei Roland Kurze soll es nicht bleiben. Nach Angaben von Christoph Polster gibt es Hinweise auf weitere Menschen aus Cottbus, die Opfer sowjetischer Verfolgung wurden. Gemeinsam mit dem Stadtarchiv Cottbus möchte der Verein nun weitere Dokumente auswerten. Dabei wollen die Beteiligten herausfinden, wo die Betroffenen gelebt haben und welche persönlichen Geschichten sich hinter ihren Namen verbergen. Ziel ist es, die Erinnerung an diese Menschen zu bewahren und ihre Schicksale für kommende Generationen nachvollziehbar zu machen.
Film, Gespräche und Musik im Stadtmuseum
Bei der Veranstaltung am 16. Oktober erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Dazu gehören der Film „SPUREN DER ERINNERUNG“ von Mario Bandi, Gespräche mit Gästen von Memorial Deutschland und die Vorstellung des Projekts „Die letzte Adresse“. Außerdem begleitet das Musikprojekt TANKATAKA mit Kirill Maikhopar und Tetiana Kozhukharenko den Abend. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr im Stadtmuseum Cottbus. Der Verein Aufarbeitung Cottbus lädt alle Interessierten ein, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.
Die Veranstaltung wird von der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAkD) gefördert.
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