Die BTU Cottbus-Senftenberg erweitert ihr Bauingenieur-Studium um vier neue Bahnmodule. Ab dem Wintersemester 2026/27 können sich Studierende gezielt im Bereich Schieneninfrastruktur profilieren. Dabei arbeitet die Universität eng mit der Deutschen Bahn, dem Eisenbahn-Bundesamt und weiteren Partnern aus der Bahnbranche zusammen. Das Besondere daran ist, dass ein großer Teil der Lehre direkt aus der Praxis kommt. Beschäftigte der Bahn und weitere Fachleute übernehmen Lehrveranstaltungen, dazu sind Übungen und Exkursionen geplant.
ICE-Werk in Cottbus gibt zusätzlichen Impuls
Ganz neu ist das Thema Eisenbahn an der BTU nicht. Nach Angaben von Prof. Dr.-Ing. Manuel Hentschel, Leiter des Fachgebiets Baubetrieb und Baumanagement sowie des Instituts für Bauingenieurwesen, gab es an der Universität bereits früher einen stärkeren Fokus auf das Eisenbahnwesen. Dieser wurde später zurückgefahren. Inzwischen habe sich der Bedarf allerdings wieder deutlich verändert. Nachhaltige Mobilität, der Ausbau der Schiene und nicht zuletzt das neue ICE-Instandhaltungswerk in Cottbus hätten dem Thema in der Region einen neuen Schub gegeben. Für die BTU sei deshalb die Frage entstanden, wie die Ausbildung auf diesen Bedarf reagieren könne.
Vier Module rund um die Schiene
Zum Start werden insgesamt vier Bahnmodule angeboten. Dabei geht es nicht nur um Gleise. Die Studierenden beschäftigen sich unter anderem damit, wie im direkten Umfeld von Bahnanlagen gebaut wird, welche besonderen Anforderungen bei Gründungen bestehen und wie Bauprojekte an der Schiene organisiert werden. Weitere Themen sind Bahnbetrieb, Signal- und Sicherheitstechnik sowie die technische Ausrüstung von Bahnstrecken. Auch der Brückenbau gehört dazu. Ein eigenes Modul zum Eisenbahnbrückenbau soll im Masterbereich angeboten werden. Hentschel betont dabei. dass die Studierenden weiterhin eine breite Ausbildung im Bauingenieurwesen bekommen. Die Bahnmodule bieten ihnen zusätzlich die Möglichkeit, ein eigenes Profil für das Berufsfeld Schiene aufzubauen.
Deutsche Bahn bringt Fachleute direkt in den Hörsaal
Für den Praxisbezug sorgen unter anderem Beschäftigte aus dem Umfeld der Deutschen Bahn. Frank Schiffmann von der Signon Deutschland GmbH, einem Unternehmen des DB-Konzerns, arbeitet selbst im Bereich Leit- und Sicherungstechnik. Er ist an einem der neuen Module beteiligt. Beim Wahlpflichtmodul Eisenbahnbau wird die Lehre nach seinen Angaben vollständig von Fachleuten aus dem DB-Konzern übernommen. Auch beim Modul zu Bahnbetrieb und eisenbahntechnischer Ausrüstung kommt ein großer Teil der Lehrbeauftragten aus der Bahnbranche. Dabei soll es nicht bei klassischen Vorlesungen bleiben.
Vorlesung, Übungen und Exkursionen
Die Module sollen aus drei Teilen bestehen: Vorlesungen, Übungen und praktischen Einblicken vor Ort. Exkursionen sollen den Studierenden zeigen, wie die Technik und Infrastruktur außerhalb des Hörsaals tatsächlich funktionieren. Für Schiffmann ist genau dieser Praxisanteil entscheidend. Denn gerade in einer klassischen Hochschulausbildung komme der direkte Einblick in den Arbeitsalltag teilweise zu kurz. Die BTU stellt dafür die universitäre Infrastruktur und das wissenschaftliche Fundament bereit. Die Bahn, das Eisenbahn-Bundesamt und weitere Partner bringen aktuelle Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb ein.
Viele mögliche Jobs nach dem Studium
Mit der zusätzlichen Bahnqualifikation ergeben sich für die Studierenden verschiedene berufliche Möglichkeiten. Dazu gehören beispielsweise Ingenieurbüros, Planungsunternehmen, Bauunternehmen, Behörden und die Deutsche Bahn selbst. Gesucht werden Fachkräfte unter anderem für den Gleis- und Brückenbau, technische Ausrüstung, Projektmanagement, Planung und Genehmigung von Infrastrukturprojekten. Auch ein späterer Wechsel zwischen unterschiedlichen Bereichen soll durch die breite Grundlagenausbildung möglich bleiben.
Warum die Lausitz mehr Bahn-Fachkräfte braucht
Der Bedarf ist nach Angaben der Deutschen Bahn schon länger vorhanden. In der Lausitz kommt jetzt aber eine besondere Entwicklung hinzu. Mit dem neuen ICE-Werk in Cottbus ist ein großer Bahnstandort entstanden. Gleichzeitig werden Strecken in der Region modernisiert, elektrifiziert und leistungsfähiger gemacht. Dafür werden in den kommenden Jahren zusätzliche Fachkräfte gebraucht. Für Prof. Hentschel bieten die neuen Module deshalb gleich mehrere Chancen: Junge Menschen können in Cottbus studieren, sich für ein wachsendes Berufsfeld qualifizieren und anschließend möglicherweise direkt in der Region arbeiten. Die Verbindung von Universität und Bahn soll damit auch einen Beitrag zum Strukturwandel leisten – und dazu, junge Fachkräfte langfristig in der Lausitz zu halten.
Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du radiocottbus.de als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge radiocottbus.de hier als bevorzugte Quelle hinzu.
































