Das Menschenrechtszentrum in Cottbus- ein alter Bau aus hellem Klinkerstein mit kleinen vergitterten Fenstern

Ein Bahnhof der Erinnerung: Ausstellung zu NS-Verbrechen in Cottbus

LIVEBLOGDieser Eintrag ist Teil des Liveblogs „Lausitz Live – Der Tag im Ticker – Montag, 06. Juli 2026“.Liveblog ansehen

Am Cottbuser Hauptbahnhof erinnert noch bis zum 30. August 2026 eine Open-Air-Ausstellung an Deportationen, Zwangsarbeit und das Frauenzuchthaus in der NS-Zeit. Auf dem Bahnhofsvorplatz wird sichtbar, was sich damals mitten in Cottbus abgespielt hat. Die Ausstellung trägt den Titel „Ein Bahnhof der Erinnerung“. Entwickelt wurde sie für das Menschenrechtszentrum Cottbus von Ausstellungskuratorin Dr. Eva Fuchslocher und Historiker Dr. Michael Schäbitz. Cottbus gehört damit zu 13 bundesweit geförderten Projekten einer neuen Förderlinie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.

Drei Themen, ein zentraler Ort

Im Mittelpunkt stehen drei Kapitel der Cottbuser Geschichte: die Deportation jüdischer Menschen aus der Stadt, Transporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus sowie die Zwangsarbeit während der NS-Zeit. Der Hauptbahnhof ist dafür bewusst gewählt. Menschen wurden von hier aus deportiert. Gleichzeitig kamen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter über die Bahn nach Cottbus. Die Bahn spielte dabei nach Angaben der Ausstellungsmacher eine doppelte Rolle: Sie transportierte Betroffene und beschäftigte selbst Zwangsarbeiter.

Ende 1944 gab es in Cottbus 44 Zwangsarbeiterlager. Viele Betroffene waren auch bei städtischen Einrichtungen eingesetzt, etwa im Krankenhaus oder auf dem Friedhof.

Fünf Säulen erzählen persönliche Geschichten

Auf dem Bahnhofsvorplatz stehen fünf Ausstellungssäulen. Eine führt in das Thema ein. Zwei Säulen beschäftigen sich mit der Deportation jüdischer Cottbuserinnen und Cottbuser zwischen 1933 und 1942. Weitere Säulen widmen sich dem Frauenzuchthaus und der Zwangsarbeit. Zu sehen sind historische Fotos, Karten und Dokumente aus verschiedenen Archiven. Im Zentrum stehen aber persönliche Schicksale. Die Ausstellung zeigt, wie Verfolgung, Ausgrenzung und Gewalt konkrete Menschen aus Cottbus getroffen haben. Ein Beispiel ist die sogenannte Polenaktion im Herbst 1938. Reichsweit wurden damals rund 17.000 Jüdinnen und Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit ausgewiesen. Auch etwa 40 Menschen aus Cottbus wurden verhaftet, an die Grenze gebracht und mussten ihr Zuhause zurücklassen.

Abfahrtstafel erinnert an Deportationen

Im Bahnhof gibt es zusätzlich eine Medieninstallation in Anlehnung an eine moderne Abfahrtstafel. Sie zeigt Abfahrtsdaten, Namen und Zielorte der Deportationen jüdischer Menschen aus Cottbus. Außerdem wird sichtbar, wer überlebt hat – und wer nicht zurückkehrte. Am 26. August 2026 sollen im Bahnhof dauerhafte Erinnerungsplaketten angebracht werden. Sie führen zu weiteren Informationen im Internet. Am selben Abend ist eine Veranstaltung zur Rolle der Bahn im Holocaust geplant.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der AG Stolpersteine Cottbus und dem Stadtmuseum Cottbus. Auch Führungen sind möglich. Anfragen laufen über das Menschenrechtszentrum Cottbus.

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Autor: Redaktion

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