Für viele Mieter in Cottbus-Ströbitz wird der eigene Balkon bald Geschichte sein. Die eG Wohnen hat angekündigt, zahlreiche Balkone zunächst zu sperren und anschließend zurückzubauen. Die Entscheidung sorgt für Frust – und hat eine Mieterinitiative auf den Plan gerufen.
Balkone sollen verschwinden
Der Auslöser für den aktuellen Streit: Ein Schreiben der eG Wohnen von Ende März. Darin wurde angekündigt, dass die Balkone in mehreren Wohnblöcken nicht nur gesperrt, sondern später komplett entfernt werden sollen.
Konkret betrifft das unter anderem Gebäude in der Kopfstraße. Bereits ab dem 27. April sollen erste Balkone von außen gesichert werden. Danach ist nur noch das Öffnen der Balkontür möglich – ohne Nutzung.
Langfristig plant die Genossenschaft stattdessen sogenannte französische Balkone. Dabei wird lediglich ein Geländer vor die Tür gesetzt – ohne echte Nutzfläche.
Mieter reagieren mit Widerstand
Die Entscheidung trifft viele hart. Für zahlreiche Bewohner gehört der Balkon fest zum Alltag.
Besonders ältere Mieter sind betroffen. Für sie ist der Balkon oft die einfachste Möglichkeit, frische Luft zu bekommen, ohne die Wohnung verlassen zu müssen.
Aus dieser Situation heraus hat sich die Mieterinitiative pro Balkon gegründet. Einer der Köpfe: Meik Ziegler, selbst betroffen und gleichzeitig Mitgliedervertreter der Genossenschaft.
Er hat Gespräche mit Nachbarn geführt, Unterschriften gesammelt und versucht, gemeinsam Lösungen zu finden.
Kritik an fehlender Transparenz
Ein zentraler Streitpunkt ist der Umgang mit Informationen.
Nach Angaben der Initiative beruft sich die eG Wohnen auf Gutachten, die den Rückbau begründen sollen. Diese Gutachten seien jedoch für Mieter bislang nicht einsehbar gewesen.
Das sorgt für Unverständnis und Misstrauen. Viele wünschen sich mehr Transparenz und eine klare Erklärung, warum die Balkone tatsächlich entfernt werden müssen.
Das sagt die eG Wohnen
Die eG Wohnen bestätigt die geplanten Maßnahmen und verweist auf bauliche Gründe.
Demnach sei der Zustand der Balkone ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen. Aus Sicherheitsgründen werde zunächst gesperrt und anschließend zurückgebaut.
Mit den geplanten französischen Balkonen soll zumindest eine gewisse Nutzung der Fenster erhalten bleiben.
Der Vorstand der eG Wohnen erklärt dazu:
„Für uns steht die Sicherheit unserer Mitglieder und Mieter an erster Stelle. Die Schäden sind nach Einschätzung der Fachingenieure auf die natürliche Alterung des Betons und Fertigungsmängel bei der Produktion der Balkonteile Anfang der 1970er Jahre zurückzuführen. Beschleunigt wurde dieser Prozess durch das zu DDR-Zeiten übliche Anbringen von Regenblechen durch die Wohnungsnutzer. Wir setzen alles daran, die notwendigen Maßnahmen zügig und mit möglichst geringen Einschränkungen umzusetzen und weiterhin preiswertes Wohnen an diesem Standort zu ermöglichen.“
Entscheidung wohl kaum noch aufzuhalten
Nach aktuellem Stand scheint der Rückbau der Balkone bereits beschlossen.
Trotzdem will die Mieterinitiative weiterkämpfen. Ziel ist es, Lösungen zu finden oder zumindest mehr Mitsprache zu erreichen.
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