Eckhard Stein, Vorsitzender und Präsident der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. (3.v.r.) und Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus, (2.v.r.) begrüßten Vertreter der 17 norddeutschen Handwerkskammern zur zweitägigen Tagung in Schlepzig. Zentrales Thema war die „Fachkräftesicherung unter verschärften demografischen Bedingungen“. Fotonachweis: HWK Cottbus, Lea Renner

Nordkonferenz des Handwerks fordert entschlossenes Handeln zur Fachkräftegewinnung

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Die Nordkonferenz des Handwerks hat in Schlepzig (Dahme-Spreewald) ein deutliches Signal gesendet: Angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels braucht es schnelles, gemeinsames Handeln. Im Fokus standen Praktika, Inklusion, Zuwanderung und neue Wege, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern.


Handwerk schlägt Alarm – Fachkräfte werden dringend gebraucht

Die Vertreterinnen und Vertreter der 17 norddeutschen Handwerkskammern trafen sich am 17. und 18. November 2025 im Spreewalddorf Schlepzig zur jährlichen Nordkonferenz. Unter dem Motto „Fachkräftesicherung unter verschärften demografischen Bedingungen“ diskutierten sie über konkrete Maßnahmen, um dem wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen.

Eröffnet wurde die Konferenz von Eckhard Stein (Landesvertretung Niedersachsen) und Corina Reifenstein, Präsidentin der Handwerkskammer Cottbus. Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller betonte in einer Videobotschaft, dass nur ein gemeinsamer Kraftakt von Politik, Kammern und Betrieben langfristig helfen könne.


Praktika und neue Ansätze im Mittelpunkt

Ein Schwerpunkt lag auf der Stärkung des Praktikums als Brücke zwischen Schule und Betrieb. Burghard Grupe (HWK Magdeburg) stellte die erfolgreiche Praktikumsprämie aus Sachsen-Anhalt vor, während André Schellhase (HWK Cottbus) an einer neuen Praktikumsplattform für Brandenburg arbeitet.

Wie junge Menschen durch kreative Formate fürs Handwerk begeistert werden, zeigten Projekte wie #hANDWERgOESsOCIAL, Sommercamps und Social-Media-Kampagnen. Praxisbeispiele aus Betrieben – etwa der WVG Wärmeversorgung Cottbus und der Bäckerei Wahn aus Vetschau – bewiesen, dass gute Nachwuchsarbeit Zeit, Leidenschaft und Unterstützung braucht.


Inklusion, Integration und Neustart-Chancen

Der zweite Tag widmete sich Inklusion und Integration Zugewanderter. Christian Jakobitz und Franziska Ulm (HWK Cottbus) stellten erfolgreiche inklusive Ausbildungsmodelle vor. Ina-Maria Heidmann (HWK Hildesheim) präsentierte das Projekt IFHa als Beispiel für gelungene Integration.

Auch Studienzweifler und Studienabbrecher sollen stärker angesprochen werden. Dr. Tobias Roeder (LHN) forderte neue Strukturen in der Studienberatung, um den Wechsel ins Handwerk zu erleichtern.


Mehr Frauen für das Handwerk gewinnen

Ein weiterer Fokus lag auf der Förderung von Frauen in handwerklichen Berufen. Katja Mikus (HWK Hannover) zeigte Strategien, um Frauen gezielter anzusprechen und zu halten. Dabei spiele Kinderbetreuung eine entscheidende Rolle, um jungen Familien den Einstieg ins Handwerk zu erleichtern.


Appell an Bund und Länder – Fachkräftesicherung ist Gemeinschaftsaufgabe

Zum Abschluss forderten die Kammern ein koordiniertes Handeln von Bund und Ländern. Der Fachkräftemangel gefährde nicht nur die Betriebe, sondern auch Zukunftsaufgaben wie die Energiewende und Digitalisierung.

Die wichtigsten Forderungen der Nordkonferenz:
Verbindlicher Werkunterricht an Grundschulen und Einführung der Praktikumsprämie in allen norddeutschen Ländern.
Mehr Unterstützung für Inklusionsprojekte und öffentliche Sichtbarkeit erfolgreicher Beispiele.
Gezielte Sprachförderung und einheitliche Verfahren für Zugewanderte in Ausbildung.
Mehr Frauenförderung, klischeefreie Berufsberatung und flächendeckende Kinderbetreuung.
Gleichgewicht von akademischer und beruflicher Bildung, etwa durch ein bundesweites Azubi-Ticket.

Das Handwerk zeigt tagtäglich, dass es Lösungen schafft – für die Energiewende, die Digitalisierung und die regionale Versorgung. Damit das so bleibt, braucht es Menschen, die mit anpacken. Politik, Bildungseinrichtungen und Betriebe müssen an einem Strang ziehen“, heißt es im Fazit der Nordkonferenz 2025.

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Autor: Redaktion

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