Gunther von Hagens, der durch die Ausstellung „Körperwelten“ weltweit bekannt wurde, ist am 24. Juli im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Mediziner und Unternehmer galt als Erfinder der Plastination – und prägte mit seinem Werk auch die Lausitz: In Guben eröffnete er 2006 sein Plastinarium. Von Hagens war eine der bekanntesten, aber auch umstrittensten Figuren der Anatomie. Millionen Menschen sahen seine Ausstellungen. Gleichzeitig gab es immer wieder Kritik an der öffentlichen Präsentation menschlicher Körper.
Plastination machte ihn weltweit bekannt
Gunther von Hagens entwickelte Ende der 1970er-Jahre an der Universität Heidelberg ein Verfahren, mit dem biologische Präparate dauerhaft konserviert werden können. Diese Plastination machte es möglich, menschliche Körper und Organe so zu erhalten, dass sie für Lehre, Forschung und Ausstellungen genutzt werden können. Daraus entstanden später die international bekannten „Körperwelten“.
Nach Angaben seines Umfelds und seiner Familie litt von Hagens seit vielen Jahren an Parkinson. Kurz vor seinem Tod soll er wegen einer Gehirnblutung in eine Klinik in Heidelberg eingeliefert worden sein.
Guben wurde ein wichtiger Standort
Für die Lausitz ist der Name Gunther von Hagens eng mit Guben verbunden. Dort eröffnete 2006 das Plastinarium. Der Standort wurde zu einem besonderen Ort zwischen Anatomie, Ausstellung, Werkstatt und öffentlicher Debatte. Besucherinnen und Besucher konnten dort Einblicke in die Arbeit rund um die Plastination bekommen.
KÖRPERWELTEN erreichten Millionen Menschen
Mit den KÖRPERWELTEN schuf von Hagens gemeinsam mit seiner Ehefrau und Kuratorin Dr. Angelina Whalley eine der bekanntesten Ausstellungen der Welt.
Mehr als 58 Millionen Menschen haben die Schauen seit ihrer ersten Präsentation besucht. Die Ausstellungen beschäftigten sich mit Anatomie, Gesundheit, Krankheit, Lebensstil und Sterblichkeit.
Angelina Whalley beschreibt das Anliegen ihres Mannes so: Er habe Menschen den Blick unter die Haut ermöglichen wollen – nicht aus Sensationslust, sondern aus der Überzeugung, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren Leben beitragen kann.
Körperspende als Grundlage der Arbeit
Ein zentraler Bestandteil der KÖRPERWELTEN war die Körperspende. Die gezeigten menschlichen Präparate stammen nach Angaben des Instituts von Menschen, die zu Lebzeiten entschieden haben, ihren Körper nach dem Tod für Plastination, Wissenschaft und anatomische Aufklärung zur Verfügung zu stellen.
Von Hagens selbst hatte ebenfalls den Wunsch, seinen Körper nach seinem Tod plastinieren zu lassen. Seine Angehörigen wollen diesen Wunsch respektieren und umsetzen.
Ein streitbarer Pionier
Gunther von Hagens wurde am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden im heutigen Polen geboren und wuchs in der DDR auf. Nach einem Fluchtversuch wurde er inhaftiert und kam später in die Bundesrepublik Deutschland.
1993 gründete er das Institut für Plastination in Heidelberg. Mit der Plastination, dem PLASTINARIUM in Guben und den KÖRPERWELTEN hat er ein Lebenswerk geschaffen, das Wissenschaft, Handwerk, Bildung und öffentliche Debatte miteinander verband.
Sein Werk soll nach Angaben des Instituts weitergeführt werden – in der Forschung, in der medizinischen Ausbildung und in den Ausstellungen.
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Foto: Institut für Plastination – Heidelberg
























