Kinder und Jugendliche mit Verdacht auf Misshandlung, sexualisierte Gewalt oder Vernachlässigung bekommen in Cottbus eine neue zentrale Anlaufstelle. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem hat am Mittwoch ihre Kinderschutzambulanz eröffnet.
Ärzte, Pfleger und Jugendämter arbeiten eng zusammen
Die Kinderschutzambulanz soll mögliche Kindeswohlgefährdungen frühzeitig und fachlich abklären. Dafür arbeiten Ärzte, Pflegefachkräfte und weitere Experten der MUL – CT eng mit den Jugendämtern zusammen.
Bei der Eröffnung haben die beteiligten Partner außerdem die entsprechenden Kooperationsverträge unterzeichnet. Damit schaffen sie eine feste Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Klinik und Jugendhilfe. Zu den festen Partnern gehören zunächst die Jugendämter der Stadt Cottbus und des Landkreises Spree-Neiße. Weitere Kooperationen innerhalb der Modellregion Gesundheit Lausitz sollen folgen. Ziel ist ein Netzwerk mit klar abgestimmten Wegen, damit betroffene Kinder und Familien möglichst schnell die passende Hilfe bekommen. Die MUL – CT hatte bereits im Vorfeld angekündigt, mit der neuen Einrichtung die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen sowie Kinder- und Jugendhilfe auszubauen.


Ambulante und stationäre Hilfe an einem Ort
Cottbus‘ Oberbürgermeister Tobias Schick bezeichnet die neue Einrichtung als wichtigen Baustein für den Kinderschutz. Kinder und Jugendliche, die Gewalt erleben oder unter Vernachlässigung leiden, sollen dort schnell medizinische Hilfe bekommen. Je nach Fall können die Fachkräfte die Betroffenen ambulant versorgen oder weitere stationäre Behandlungen einleiten. Schick betont außerdem die Vernetzung der unterschiedlichen Stellen. Jugendhilfe, Klinik und weitere Fachbereiche sollen gemeinsam handeln, statt Fälle unabhängig voneinander zu bearbeiten.
Mehr als 10.000 Verdachtsfälle in Brandenburg
Wie groß der Bedarf ist, zeigen Zahlen aus Brandenburg. Staatssekretärin Dr. Friederike Haase verwies bei der Eröffnung auf mehr als 10.000 Fälle mit dem Oberbegriff Kindeswohlgefährdung, die 2025 bei den Jugendämtern im Land erfasst wurden. Nach ihren Angaben bestätigte sich etwa ein Drittel der Verdachtsfälle nicht. Bei einem weiteren Drittel konnten Jugendämter Familien beispielsweise mit sozialen oder psychotherapeutischen Hilfen unterstützen. Bei ungefähr einem Drittel lagen dagegen Fälle mit körperlichen Übergriffen oder sexualisierter Gewalt vor. Diese Kinder benötigen teilweise auch medizinische und anschließend psychologische Unterstützung.
Cottbus ist fünfter Standort in Brandenburg
Die Kinderschutzambulanz an der MUL – CT gehört zu einem wachsenden landesweiten Netzwerk. Bereits 2026 starteten entsprechende Angebote in Potsdam, Eberswalde, Lauchhammer und Frankfurt (Oder). Mit Cottbus gibt es nun fünf Standorte. Eine weitere Kinderschutzambulanz in Neuruppin befindet sich in Planung. Die Standorte tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich beim Aufbau ihrer Strukturen. Dadurch sollen Kinder in Brandenburg unabhängig vom Wohnort schneller Zugang zu einer fachlichen Abklärung bekommen.
Finanzierung soll ab 2027 dauerhaft geregelt werden
Den Aufbau der Cottbuser Kinderschutzambulanz ermöglichten zunächst unter anderem Lottomittel des Landesamtes für Soziales und Versorgung des Landes Brandenburg. Für 2026 stellt Brandenburg weitere Anschubmittel bereit. Auch Mittel aus dem Jugendbereich sowie kommunale Gelder fließen in den Aufbau. Ab 2027 soll das Angebot nach den bisherigen Planungen in eine reguläre Finanzierung über den Landeshaushalt übergehen. Bei der Finanzierung medizinischer Leistungen gibt es nach Angaben von Staatssekretärin Haase allerdings noch offene Fragen mit den Krankenkassen. Dabei gehe es vor allem um die gesetzlichen Regelungen im Sozialgesetzbuch. Land und Krankenkassen seien dazu weiter im Gespräch.
Kinderschutzambulanz arbeitet unter Leitung der Kinderklinik
Die neue Ambulanz gehört zur Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der MUL – CT. Chefärztin Dr. Simone Stolz leitet die Einrichtung. Zum interdisziplinären Team gehören außerdem ärztliche, pflegerische und psychotherapeutische Fachkräfte. Bei der offiziellen Vorstellung wirkten unter anderem Ärztin Tina Präkelt und die Psychologische Psychotherapeutin Petra Töpfer mit.
Mit dem neuen Angebot will die MUL – CT Verdachtsfälle früher abklären und betroffene Kinder möglichst schnell in die notwendige medizinische, psychologische oder soziale Betreuung bringen.
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