Seit Ende September läuft das neue Amazon-Verteilzentrum in Cottbus. Bei einem Rundgang haben wir einen Blick hinter die Kulissen bekommen – vom eintreffenden Lkw bis zur fertigen Zustelltour.
Erst Sicherheitscheck, dann beginnt die Sortierung
Das Verteilzentrum an der Autobahn ist seit Ende September in Betrieb. Anders als in einem klassischen Logistikzentrum lagert Amazon hier keine Waren. Stattdessen kommen bereits verpackte Sendungen aus anderen Amazon-Standorten an und werden für die sogenannte letzte Meile sortiert.
Bevor Mitarbeiter einen Lkw entladen, kontrolliert ein speziell geschulter „Yard Marshall“ zunächst Fahrzeug, Papiere und Ladungssicherung. Erkennt das Team lose Pakete oder andere Sicherheitsprobleme, stoppt es den Ablauf. Anschließend laden Mitarbeiter die Pakete aus dem Lkw und bringen sie zu den Einführungstischen. Aktuell verarbeitet der Standort während des Hochlaufs nach Angaben von Standortleiter Aron Wolke täglich etwa 10.000 bis 20.000 Sendungen.
Kameras lesen jedes Paket ein
An fünf Einführungstischen legen Mitarbeiter die Sendungen auf die Förderbänder. Eine Kamera liest zunächst das Versandlabel aus. Das System erstellt daraufhin ein gelbes Sortieretikett. Dieses zeigt an, in welchen Bereich das Paket später kommt. Eine zweite Kamera kontrolliert anschließend, ob das gelbe Etikett tatsächlich zum ursprünglichen Versandlabel passt. Beschädigte, besonders lange oder ungeeignete Pakete nehmen Mitarbeiter direkt aus dem normalen Ablauf. Beschädigte Sendungen können sie neu verpacken und anschließend wieder in den Prozess geben. Pakete mit einem Gewicht von bis zu 23 Kilogramm nimmt das Cottbuser Verteilzentrum grundsätzlich an. Besonders schwere Sendungen sortiert das Team für den weiteren Ablauf jedoch separat aus, damit sie nicht über die automatisierten Bereiche laufen und dort zum Sicherheitsrisiko werden.







Automatisierung sortiert Pakete in die richtigen Bereiche
Ein Teil der Anlage arbeitet manuell, ein anderer automatisiert. Im automatisierten Bereich erkennt das Förderband selbst, wann es ein Paket seitlich ausschleusen muss. Dort landen die Sendungen zunächst in großen Behältern. Diese erkennen ihren eigenen Füllstand und verändern ihre Höhe. Mitarbeiter können die Pakete dadurch möglichst auf einer ergonomischen Arbeitshöhe entnehmen und anschließend in die vorgesehenen Taschen sortieren. Nach Angaben von Amazon ersetzt die Technik dabei nicht automatisch Personal. Mitarbeiter übernehmen weiterhin Qualitätskontrollen, korrigieren Fehler und sortieren die einzelnen Sendungen. Ihre Positionen wechseln regelmäßig.
Algorithmus plant die Zustelltouren
Gegen 9:30 Uhr beginnt das System mit der Planung der Zustelltouren. Dafür berücksichtigt es unter anderem Entfernungen zwischen den Stopps, Öffnungszeiten von Geschäftskunden, aktuelle Straßensperrungen und Erfahrungen aus früheren Touren. Wenn eine Tour regelmäßig zu umfangreich ausfällt, reduziert das System nach Angaben des Standortleiters die Zahl der Stopps. Schaffen Fahrer eine Strecke dagegen regelmäßig schneller, passt das System auch dort die Planung an.
Anschließend erhalten die Mitarbeiter sogenannte Picklisten. Sie zeigen ihnen, welche Pakettaschen und größeren Sendungen auf welchen Wagen gehören. Eine optische Hilfe namens „Stow by Light“ markiert zusätzlich die richtige Tasche mit einem Lichtsignal.
Zwischen 120 und 200 Pakete pro Zustellfahrzeug
Ab etwa 10 Uhr stellen die Mitarbeiter die fertigen Sendungen für die Fahrer bereit. Dafür gibt es im Zentrum 104 Bereitstellungsflächen. Ein Zustellfahrzeug nimmt nach Angaben des Standortleiters in der Region durchschnittlich etwa 120 bis 200 Pakete mit. Entscheidend für die Tourenplanung ist allerdings nicht allein die Zahl der Pakete, sondern vor allem die Zahl der Stopps. 40 Sendungen für eine Paketstation zählen beispielsweise als ein Stopp. 40 einzelne Wohnhäuser bedeuten dagegen 40 verschiedene Stopps.
Kann ein Fahrer eine Sendung nicht zustellen, kommt sie am Abend zurück ins Verteilzentrum. Mitarbeiter scannen sie erneut ein und schicken sie in der Regel am nächsten Tag wieder auf Tour.
Pakete kommen auch aus Polen nach Cottbus
Die Sendungen erreichen das Cottbuser Zentrum aus mehreren Logistikstandorten in Deutschland und Polen. Aron Wolke nennt unter anderem Berlin, Leipzig und Gera. Hinzu kommen die polnischen Standorte Stettin und Breslau. Breslau liefert nach seinen Angaben aktuell den größten Anteil für den Cottbuser Standort. Von Cottbus aus gehen die Pakete anschließend in die Stadt und weit darüber hinaus. Das Zustellgebiet umfasst Teile von Südbrandenburg und Nordsachsen und reicht nach Angaben des Standortleiters unter anderem bis in Richtung Eisenhüttenstadt, Finsterwalde, Forst und teilweise Görlitz.
Standort bereitet sich auf Weihnachtsgeschäft vor
Im Verteilzentrum arbeiten derzeit direkt bei Amazon Beschäftigte im hohen zweistelligen Bereich. Rund die Hälfte arbeitet nach Angaben des Unternehmens in Vollzeit, die andere Hälfte in Teilzeit. Besonders die Teilzeitschicht von 5 bis 10 Uhr nutzen auch Studierende. Die Vollzeitschicht läuft morgens bis 13 Uhr. Eine kleinere Spätschicht kümmert sich unter anderem um zurückkehrende Sendungen und ankommende Fahrzeuge.
Standortleiter Aron Wolke beschreibt die ersten Wochen nach der Eröffnung als Lernphase. Einige technische und organisatorische Herausforderungen habe das Team bereits gelöst. Bis zum anstehenden Weihnachtsgeschäft will der Standort seine Abläufe weiter stabilisieren.
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