Ein Unbekannter hat im Cottbuser Hauptbahnhof einen Bildschirm der Ausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung“ zerstört. Das Display war Teil einer Medieninstallation, die an Deportationen, Zwangsarbeit und NS-Unrecht in Cottbus erinnert. Der Bildschirm ist vollständig unbrauchbar. Die Bundespolizei hat wegen des Tatorts im Bahnhof die Ermittlungen aufgenommen.
Ausstellung erinnert an NS-Unrecht in Cottbus
Die beschädigte Installation gehört zu einer Ausstellung, die sich mit einem sehr ernsten Kapitel der Cottbuser Stadtgeschichte beschäftigt. Sie erinnert an Menschen, die von Cottbus aus deportiert wurden, an jüdische Bürgerinnen und Bürger, an Transporte zum und vom Frauenzuchthaus Cottbus sowie an Zwangsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die digitale Medieninstallation ist einer historischen Abfahrtstafel nachempfunden. Darauf werden Namen, Schicksale, Daten und Ziele von Deportationen der Cottbuser jüdischen Bevölkerung gezeigt.
Schaden wird geprüft
Das Menschenrechtszentrum Cottbus hat den beschädigten Bildschirm inzwischen begutachtet. Nach aktuellem Stand kann das Gerät nicht weiter genutzt werden.
Geschäftsführerin Heide Schinowsky macht deutlich, dass die Beschädigung über den reinen Sachschaden hinausgeht. Die Installation erinnert an Menschen, die von Cottbus aus deportiert wurden und unter nationalsozialistischer Verfolgung leiden mussten. Deshalb sei die Zerstörung des Bildschirms für das Projekt besonders schwerwiegend.
Nun wird geprüft, ob kurzfristig ein Ersatzgerät beschafft werden kann, damit die Medieninstallation wieder vollständig gezeigt werden kann.
Ermittlungen gegen betrunkenen Mann
Nach Medienberichten soll eine Streife der Bundespolizei am Donnerstagabend, den 30. Juli, einen stark betrunkenen Mann aufgegriffen haben – bei dem Beschuldigten soll ein Promillewert von 4,2 festgestellt worden sein.
Gegen den Mann werde wegen Sachbeschädigung ermittelt. Er soll mit der Faust gegen die digitale Anzeige der Ausstellung geschlagen haben. Der Bildschirm wurde dabei so stark beschädigt, dass er nicht mehr nutzbar ist.
Angaben zu einem möglichen Motiv gibt es bislang nicht.
Ausstellung läuft noch bis Ende August am Bahnhof
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. August 2026 auf dem Bahnhofsvorplatz und im Cottbuser Hauptbahnhof zu sehen. Danach soll sie bis zum Jahresende vor und im Menschenrechtszentrum Cottbus gezeigt werden.
Das Menschenrechtszentrum ruft Besucherinnen und Besucher ausdrücklich dazu auf, sich die Ausstellung gerade jetzt anzuschauen.
Projekt mit vielen Partnern aus Cottbus
Die Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern entwickelt.
Beteiligt sind unter anderem die Städtischen Sammlungen Cottbus, die AG Stolpersteine Cottbus und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Studierende der BTU entwickeln außerdem Peer-to-Peer-Führungen.
Das Projekt will nicht nur historische Fakten vermitteln. Es soll auch zeigen, wie wichtig Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt heute sind.
Foto: Menschenrechtszentrum Cottbus e. V.
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