Viele mittelständische Firmen in Brandenburg wollen stärker am wachsenden Verteidigungsmarkt teilhaben. Beim sogenannten Rüstungsboom Brandenburg hoffen Unternehmen auf neue Aufträge, mehr Unterstützung durch die Politik und zusätzliche Arbeitsplätze.
Rüstungsboom in Brandenburg: Mittelständler fordern mehr Unterstützung
Ein Beispiel ist die Finsterwalder Maschinen- und Anlagenbau GmbH (FIMAG). Das Unternehmen produziert seit Jahren Notstromaggregate für die Bundeswehr und andere europäische Armeen.
Die Geräte müssen extremen Bedingungen standhalten – etwa Temperaturen von minus 30 bis plus 50 Grad – und teilweise sogar per Hubschrauber transportiert werden können.
Trotz der politischen Zeitenwende spürt Geschäftsführer Daniel Nowak bislang nur wenig vom Rüstungsboom Brandenburg. Die Produktionszahlen seien lediglich leicht gestiegen, gleichzeitig gebe es noch freie Hallenflächen und ungenutzte Kapazitäten.
Nowak fordert deshalb, dass Beschaffungsprozesse beschleunigt werden und Fördermittel nicht nur an große westdeutsche Rüstungskonzerne gehen, sondern auch an mittelständische Unternehmen im Osten.
Hoffnung auf neue Aufträge – auch für die Ukraine
Gerade im Bereich Notstromversorgung sieht die Firma großes Potenzial. Durch Angriffe auf Energieanlagen könnte etwa in der Ukraine ein hoher Bedarf entstehen.
Doch kleine Unternehmen stoßen dabei schnell an Grenzen:
Kontakte zu internationalen Auftraggebern, Finanzierungsfragen und Beschaffungsstrukturen seien für Mittelständler schwer zu organisieren. Hier wünschen sich viele Firmen mehr Unterstützung durch Politik und Wirtschaftsförderung.
Große Rüstungskonzerne suchen Partner
Wie groß das Interesse ist, zeigte ein Dialogforum der Industrie- und Handelskammer Potsdam und der Wirtschaftsförderung Brandenburg. Rund 200 Unternehmen nahmen teil, um Kontakte zu großen Herstellern zu knüpfen.
Vertreten waren unter anderem:
- Rheinmetall
- Rolls Royce
- Diehl
- Airbus
Viele Firmen wollten erfahren, wie sie Zulieferer der Rüstungsindustrie werden können.
Nachholbedarf im Osten
Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) sieht erheblichen Nachholbedarf:
Weniger als zehn Prozent der Rüstungs-Zulieferbetriebe befinden sich in Ostdeutschland.
Die Landesregierung will deshalb gezielt Ansiedlungen von Zulieferfirmen unterstützen. Gespräche mit Investoren laufen bereits – dabei gehe es laut Keller um mehrere tausend mögliche Arbeitsplätze.
Brandenburg als neuer Standort für Rüstungsindustrie?
Auch internationale Unternehmen prüfen Standorte in der Region.
Das Militär-Start-up Stark Defence aus Berlin produziert derzeit viele seiner Kampfdrohnen noch in Bayern. Doch Brandenburg könnte künftig attraktiver werden.
Der Grund:
- viel freie Fläche
- Testmöglichkeiten im Luftraum
- verfügbare Fachkräfte
Für solche Projekte sei Brandenburg ein „idealer Partner“, so ein Unternehmensvertreter.
Proteste gegen Rüstungsindustrie
Vor der Veranstaltung in Potsdam protestierten rund 20 Demonstrierende gegen eine stärkere militärische Produktion.
Wirtschaftsminister Keller betonte jedoch, Ziel sei es, die Bundeswehr besser auszustatten und gleichzeitig neue Arbeitsplätze im Land Brandenburg zu schaffen.
Für viele Unternehmen ist der Rüstungsboom Brandenburg deshalb vor allem eines: ein wachsender Markt mit wirtschaftlichem Potenzial.
Mehr Nachrichten aus der Lausitz und Brandenburg gibt es jederzeit bei Radio Cottbus und auf radiocottbus.de.
























