Die Pflege in Brandenburg wird für viele Menschen immer teurer. Gesundheits- und Sozialministerin Britta Müller warnt vor einer finanziellen Überforderung Pflegebedürftiger und fordert eine solidarische, aber finanzierbare Pflegereform. Ziel sei es, Pflegebedürftige gezielt zu entlasten und gleichzeitig das Pflegesystem stabil zu halten.
Eigenanteile steigen auf über 3.500 Euro im Monat
Nach aktuellen Zahlen liegen die Eigenanteile in stationären Pflegeeinrichtungen bundesweit auf einem Rekordniveau. Anfang 2026 betrug der pflegerische Eigenanteil im Schnitt rund 1.980 Euro pro Monat. Dazu kommen Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. Insgesamt müssen Pflegebedürftige damit deutlich über 3.500 Euro monatlich selbst tragen.
Selbst nach Abzug der gesetzlichen Zuschläge zahlen viele Menschen im ersten Jahr eines Heimaufenthalts mehr als 3.200 Euro aus eigener Tasche.
Personalkosten als größter Kostentreiber
Ministerin Müller macht deutlich, woher die steigenden Kosten kommen. Seit Einführung der Tariftreue im Jahr 2022 sind die Löhne der Pflegekräfte in Brandenburg bis 2026 um rund 31 Prozent gestiegen.
Das sei richtig und notwendig, betont Müller. Gute Pflege brauche gut ausgebildetes und gut bezahltes Personal. An fairen Löhnen dürfe nicht gerüttelt werden.
Pflegebedürftige strukturell überfordert
Neben den Pflegekosten sind auch die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung stark gestiegen – in den vergangenen zehn Jahren um rund 47 Prozent. Diese Kosten müssen Pflegebedürftige vollständig selbst tragen.
Für Müller ist klar: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um eine strukturelle Überforderung vieler Menschen.
Warnung vor pauschalen Lösungen
Einen pauschalen Deckel für Eigenanteile lehnt die Ministerin ab. Ein unbegrenzter Eigenanteilsdeckel für alle sei kaum finanzierbar und würde das Solidarprinzip verfehlen.
Stattdessen spricht sie sich für eine sozial gestaffelte Entlastung aus.
Neues Modell: Entlastung nach Einkommen und Vermögen
Müllers Vorschlag setzt früher und gezielter an als die bisherigen Zuschläge. Die Entlastung soll bereits zu Beginn eines Heimaufenthalts greifen, wenn Pflegekosten zur finanziellen Überforderung werden.
Maßgeblich sollen Einkommen und Vermögen sein. Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen sollen deutlich entlastet werden. Wer finanziell leistungsfähig ist, soll weiterhin einen angemessenen Eigenanteil tragen.
Pflegeversicherung keine Vollkasko
Die Ministerin betont den solidarischen Charakter der Pflegeversicherung. Sie sei keine Vollkaskoversicherung und auch kein Erbenschutzmodell. Ziel sei es, Menschen vor Armut im Pflegefall zu schützen – nicht pauschal alle Kosten zu übernehmen.
Ambulante Pflege weiter stärken
Flankiert werden müsse eine Reform durch eine regelmäßige Anpassung der Pflegeleistungen, weniger Bürokratie und effizientere Strukturen. Außerdem soll die ambulante Pflege weiter ausgebaut werden, damit Menschen möglichst lange zu Hause leben können und Heimaufenthalte vermieden oder hinausgezögert werden.
Pflege darf nicht arm machen
Für Britta Müller ist klar: Pflege darf Menschen nicht arm machen, gleichzeitig müsse das System auch für kommende Generationen bezahlbar bleiben. Beides sei möglich – mit einer klugen, solidarischen und verantwortungsvollen Reform.
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