Eine leere Wohnung als Symbolbild für den bestehenden Wohnraum

Wohnraumberatung in Brandenburg: Viel Potenzial bleibt ungenutzt

LIVEBLOGDieser Eintrag war Teil des Liveblogs „Lausitz Live – Der Tag im Ticker – Montag, 9. Februar 2026“.Liveblog ansehen

Wohnraumberatung in Brandenburg kommt oft zu spät – das zeigen aktuelle Forschungsergebnisse aus Cottbus. Statt präventiv zu unterstützen, greift Beratung häufig erst dann, wenn ältere Menschen bereits in einer akuten Krise stecken.


Forschung der BTU zeigt deutliche Defizite

Untersucht wurde das Thema im Forschungsprojekt „Professionalisierung der Wohnraumberatung in Brandenburg“ (ProWoB) an der Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Die Ergebnisse sind eindeutig: Wohnraumberatung wird meist erst bei akutem Unterstützungsbedarf genutzt, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder bei plötzlich eintretender Pflegebedürftigkeit.

Projektleiterin Prof. Dr. Alexandra Retkowski bringt es auf den Punkt: Prävention spiele bislang eine untergeordnete Rolle – obwohl gerade frühe Beratung helfen könne, Selbstständigkeit länger zu erhalten und Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern.


Wohnraumberatung als Krisenintervention

Leitfadengestützte Interviews mit Beraterinnen und Beratern an brandenburgischen Pflegestützpunkten zeigen: In vielen Fällen ähnelt die Beratung einer Krisenintervention. Damit wird klar: Das enorme präventive Potenzial der Wohnraumberatung in Brandenburg bleibt bislang weitgehend ungenutzt.


Warum Prävention kaum ankommt

Obwohl Pflegestützpunkte landesweit wichtige Anlaufstellen sind, gibt es mehrere Hürden:

  • Begrenzte personelle Kapazitäten
  • Geringe öffentliche Sichtbarkeit
  • Überschneidungen mit der Pflegeberatung
  • Der Begriff Pflege wirkt abschreckend auf viele ältere Menschen und Angehörige

Dabei unterscheiden sich die Bedarfe von Pflegeberatung und altersgerechtem Wohnen deutlich – werden aber oft gemeinsam wahrgenommen.


Forderung nach klarer Neuausrichtung

Das Projekt ProWoB sieht deutlichen Handlungsbedarf. Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sarah Kautz fordert:

  • Stärkere Prävention
  • Mehr Professionalität
  • Gesicherte Finanzierung
  • Ganzheitliche Ansätze mit sozialräumlichem Blick

Denn Wohnraumberatung ist mehr als Verwaltung – sie ist eine Investition in Lebensqualität, Teilhabe und zukunftsfähige Kommunen.


Hintergrund: Projekt ProWoB

Das Forschungsprojekt ProWoB untersucht die Versorgungslage der Wohnraumberatung in der Lausitz, definiert Qualitätsstandards und testet Fortbildungs- sowie Umsetzungskonzepte. Ziel ist eine dauerhafte, professionelle und partizipative Weiterentwicklung der Wohnraumberatung in Brandenburg. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

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Autor: Redaktion

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